InnovationsLOTSE

Von der Idee zum Medizinprodukt

Finanzierungsmodelle

Unternehmen stehen unterschiedliche Instrumente einer Finanzierung offen. Je nach Ausgangssituation haben diese Instrumente Vor- und Nachteile. Bei der Entscheidung für ein Finanzierungsmodell kommt es auf den richtigen Mix an. Die Finanzierungsstruktur muss flexibel an schwankende Geschäftsverläufe angepasst werden können und die eingeschlagene Unternehmensstrategie der nächsten Jahre abbilden. 

Gerade im innovativen Umfeld der Medizintechnik mit ihrer Dynamik und einem verstärkten Konsolidierungsdruck auf der Wettbewerbsebene benötigen Unternehmen eine flexible Finanzierungsstruktur. Die Finanzierung des Unternehmens darf keineswegs als statisches Konzept betrachtet werden. Sie sollte vielmehr ständig an den jeweiligen Bedarf des Unternehmens, sei es im Rahmen einer Projekt- oder Wachstumsfinanzierung, angepasst werden.

Um eine nachhaltige Finanzierungsstruktur erfolgreich aufzusetzen, sollte ein dreistufiges Vorgehen gewählt werden: 1) Zunächst sollte man ein klares Bild über die zukünftige finanzielle Entwicklung des Unternehmens und den daraus resultierenden Kapitalbedarf erarbeiten. Darauf aufbauend kann man ein Gefühl dafür entwickeln, welche Größen die Geschäftsplanung beeinflussen können. 2) Auf dieser Basis muss der richtige Mix der am Markt verfügbaren Finanzierungsinstrumente abgeleitet werden. Hierbei gilt es, das sich ständig verändernde Angebot von Finanzierungsmodellen – vor allem auch die sogenannten bankenunabhängigen „alternativen“ Finanzierungsinstrumente – zu kennen und zu verstehen. 3) Dieses Vorgehen sollte als kontinuierlicher Prozess verstanden werden, damit sich die Finanzierungsstruktur dauerhaft mit der fortschreitenden strategischen Geschäftsentwicklung „mitentwickeln“ kann. Der erfolgreiche Aufbau eines solchen Finanzierungsprozesses erfordert fachliche Expertise sowie eine detaillierte Kenntnis des aktuellen Finanzierungsumfelds.

Prinzipiell werden Finanzierungsinstrumente nach ihrer Herkunft unterschieden. Von Innenfinanzierung ist die Rede, wenn die Finanzierungsmittel innerhalb des Unternehmens erwirtschaftet werden. Von Außenfinanzierung spricht man, wenn externe Finanzierungsmittel im Zuge einer Erhöhung der Eigenmittel durch Beteiligungskapital bzw. der zusätzlichen Bereitstellung von Fremdkapital bereitgestellt werden. Darunter fallen auch mezzanine Finanzierungsarten, die eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung darstellen.

Innenfinanzierung

Bei der Innenfinanzierung unterscheidet man weitestgehend zwischen drei verschiedenen Wegen.

  • Selbstfinanzierung (Finanzierung aus zurückbehaltenen Gewinnen)
  • Finanzierung aus Kapitalfreisetzung durch Rationalisierung (insbesondere im Rahmen eines Working Capital Managements beispielsweise zur schnellen Liquiditätsüberführung von offenen Forderungen (Factoring), der Vorfinanzierung des Einkaufs (Finetrading) oder einer Vorfinanzierung, die sich am Auftragsbestand orientiert (sogenannte „Borrowing Base“, bei der die Vorräte selbst als Sicherheit dienen)
  • Finanzierung aus Vermögensumschichtung (insbesondere durch den Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens)

Die Finanzierung aus Kapitalfreisetzung und Vermögensumschichtung stellt eine flankierende operative Maßnahme der Innenfinanzierung dar und sollte relativ unabhängig von der weiteren Finanzierung des Unternehmens als zusätzliche Liquiditätsstütze in Betracht gezogen werden.

Außenfinanzierung

Während operative Finanzierungen vor allem dazu dienen, die laufenden Geschäftsprozesse liquiditätsschonend zu gestalten, bilden strategisch orientierte Finanzierungen die Basis für die langfristige Unternehmensentwicklung. Grundsätzlich lassen sich die am Markt verfügbaren Finanzierungsbausteine den drei Ebenen „Eigenkapital“, „ Fremdkapital“ oder den dazwischenliegenden „mezzaninen“ Finanzierungen zuordnen.

Eigenkapital

Langfristig zielt die Unternehmensentwicklung auf eine angemessene Eigenkapitalausstattung. Diese dient einer optimalen Finanzierungsstruktur, ermöglicht Wachstum und Innovation und stellt darüber hinaus die unternehmerische Unabhängigkeit sicher. Die Eigenkapitalquote bestimmt maßgeblich das Rating (Stichwort Basel II/III und eine daraus potenziell resultierende restriktivere Kreditvergabe von Banken) und somit die Fremdkapitalkosten des Unternehmens. Eine langfristige Planung ist deshalb unverzichtbar.

Die klassische Eigenkapitalbeschaffung hängt maßgeblich von der gewählten Rechtsform des Unternehmens ab. Sie kann beispielsweise bei Kapitalgesellschaften erfolgen, indem die bisherigen Gesellschafter neues Kapital einbringen oder aber neue Gesellschafter aufgenommen werden. Auf weitere Möglichkeiten insbesondere bei einer börsennotierten Aktiengesellschaft und deren zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten über den Kapitalmarkt wird hier nicht weiter eingegangen. Die Hereinnahme von Eigenkapital bzw. einer eigenkapitalnahen Komponente bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass die unternehmerische Unabhängigkeit aufgegeben wird. Denn neben einer direkten Beteiligung sind langfristige stille Beteiligungen (beispielsweise von den öffentlich geförderten mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der einzelnen Bundesländer, sogenannte MBGs) oder interessante individualmezzanine Angebote (häufig in Form von Genussrechten) auf dem Markt verfügbar.

Die typischen Vorteile einer mezzaninen Finanzierungsform – verbesserte Bilanzrelation, keine laufende Tilgung, keine Anteilsabgabe – müssen meist mit einer höheren Verzinsung bezahlt werden. Aus diesem Grund können mezzanine Finanzierungsinstrumente nur dazu dienen, den Zugang zu günstigeren Fremdkapitalinstrumenten zu ermöglichen. MBGs wiederum bieten dem Unternehmer bei Direktbeteiligungen häufig eine Rückkaufoption an, so dass dieses Eigenkapital nicht mit einem dauerhaften Verlust von Anteilen einhergeht.

Im Gegensatz dazu sind sogenannte Finanz- oder Private Equity-Investoren häufig ein starker Partner für ein beschleunigtes Wachstum. Neben Mehr- und Minderheitsbeteiligungen bieten Finanzinvestoren durch zusätzliches Know-How meist auch eine weitere Professionalisierung des Unternehmens. Allerdings ist dabei zu beachten, dass klassisches Private Equity aufgrund seines Geschäftsmodells den gemeinsamen Verkauf des Unternehmens innerhalb von drei bis sieben Jahren anstreben muss. Um für ein Private Equity Investment in Frage zu kommen, ist neben der Cashflow-Stärke vor allem das zukünftige Management entscheidend. Der Finanzinvestor besitzt nämlich in der Regel nicht die notwendige Branchen- und Unternehmenserfahrung, um dieses auch eigenständig weiterführen zu können. Bei der Suche nach längerfristigen Engagements und einer nachhaltigeren Lösung kann Eigenkapital auch über Family Offices eingeworben werden („Family Equity“). Dieses von vermögenden Familien für Direktbeteiligungen zur Verfügung gestellte Kapital hat meist den großen Vorteil, dass die Bedingungen sehr individuell verhandelt werden können und die Investoren häufig über einen langfristigen Anlagehorizont verfügen, der von keinem Exitdruck beeinflusst wird. Der größte Vorteil bei Family Offices besteht sicherlich darin, dass der Investor in der Regel eine unternehmerische Vergangenheit hat und daher die Marktchancen besser einschätzen kann als risikoscheue Bankvertreter.

Fremdkapital

Die günstigste Art der Finanzierung bleibt echtes Fremdkapital. Dieses steht in Form von klassischen Bankdarlehen oftmals nur zur Verfügung, wenn bereits eine solide Bilanzstruktur vorliegt. Die klassische Kreditfinanzierung lässt sich wiederum in kurz- und mittel- bzw. langfristige Kredite unterteilen. Unter kurzfristigen Krediten wird meist der klassische Kontokorrentkredit für das Geschäftskonto verstanden, der laufende Zahlungen bedient. Im Gegensatz dazu werden unter mittel- bzw. langfristigen Krediten häufig Investitionskredite gefasst, die zur Finanzierung des Anlagevermögens bzw. auch häufig von Vorräten und Forderungen verwendet werden. Grundsätzlich werden Annuitäten- und Ratendarlehen unterschieden, wobei erstere im Gegensatz zu Ratendarlehen eine konstante Zahlung (zusammengesetzt aus Zins und Tilgung) aufweisen. Als grobe Faustregel wird oftmals empfohlen, die Laufzeit des Kredites so zu wählen, dass diese mit der geplanten Nutzungsdauer des Vermögensgegenstandes übereinstimmt. Der zu zahlende Zinssatz für den Kredit bemisst sich am Kreditrisiko für die Bank, das diese auf Basis eines Ratings quantifiziert. In diese Bewertung fließen die Bonität, eventuelle Bürgschaften sowie die Werthaltigkeit der Sicherheiten ein. Daneben gewinnt eine bankenunabhängige Finanzierung, vor allem in Form von Unternehmensanleihen, zunehmend an Bedeutung. Diese steht allerdings aufgrund der hohen Mindestvolumina des aufgenommenen Fremdkapitals nur dem gehobenen Mittelstand zur Verfügung. Der zentrale Vorteil dieser Finanzierungsform liegt darin, dass sie die Abhängigkeit gegenüber den klassischen Banken verringert und gleichzeitig den Zugang zum Kapitalmarkt ebnet.

Überblick über die wichtigsten Finanzierungsinstrumente

EbeneInstrumentVorteileNachteileGeeignet für ...
Eigenkapitalklassisches Private Equity (Minderheit wie Mehrheit)starker Partner, zusätzliche ProfessionalisierungVerlust der Unabhängigkeit, Partner auf begrenzte Zeit (3 bis 7 Jahre)Unternehmer, die einen Partner für zukünftiges Wachstum benötigen oder eine Nachfolgelösung anstreben
Family Equitymeist längerfristiger Partner mit unternehmerischem Hintergrundzum Teil niedrigere Unternehmensbewertungen, begrenzte Voluminabeispielsweise kleinere Unternehmen mit zukünftig hohem Ausschüttungs-potenzial
Kapitalerhöhung über die Börsebankenunabhängiger, dauerhafter FinanzierungskanalAbhängigkeit von Marktstimmungen, Gefahr durch spekulative Investorenstark wachsende Unternehmen mit dauerhaftem Kapitalbedarf
öffentlich gefördertes Beteiligungskapital (MBGs)häufig Rückkaufoption, faire Konditionenbegrenzte Volumina, politische Aspekte spielen große Rolleregional starke Unternehmen mit begrenztem Eigenkapital-Bedarf
Mezzaninebeispielsweise stille Beteiligung / Genussrechtekeine laufende Tilgung, Verbesserung der Bilanzrelationenrelativ teuer, meist aufwendiger Prozesseinen Baustein einer größeren Refinanzierung
FremdkapitalWorking-Capital-Finanzierung (zum Beispiel Factoring, Borrowing Base, etc.)„mitatmende” Finanzierung, Schaffung zusätzlicher Liquiditätmeist hoher laufender AdministrationsaufwandUnternehmen mit hohem Working-Capital-Anteil
klassische Bankdarlehenrelativ unkompliziertSicherheiten, persönliche BürgschaftenUnternehmen mit ausreichender Eigenkapital-Basis

Crowdfinanzierung

Eine relativ neue Art der Finanzierung insbesondere für Startups oder hoch-innovative Projekte ist die sogenannte Crowdfinanzierung. Bislang existiert noch keine allgemeingültige Definition des Begriffes. Häufig wird unterschieden zwischen:

  • Crowdfunding – Finanzierung von unterstützenswerten Projekten, die einen nicht-monetären Rückfluss generieren
  • Crowdinvesting – Erwerb von stillen Beteiligungen und Partizipation am Unternehmenswachstum und den generierten Gewinnen; die Gründungskonzepte werden vorab von den Betreibern einer Crowd-Plattform geprüft
  • Crowdlending – Vermittlung von Mikro-Darlehen, meist ohne Stellung von Sicherheiten

Allen drei gemein ist, dass sie spezialisierte Internetseiten nutzen, um Unternehmen oder Projekte vorzustellen. Diese Crowd-Plattformen bündeln eine große Anzahl an Interessenten, die einen mehr oder minder kleinen Geldbetrag zur Verfügung stellen. Dieses Verfahren hat den zentralen Vorteil, dass die zu erbringende Investitionssumme für den einzelnen Investor meist sehr gering ist.

Der Experte

Dr. Christoph Riedel

AQUIN & COMPAGNIE AG