InnovationsLOTSE

Von der Idee zum Medizinprodukt

Monetäre Patentbewertung

Unter der monetären Patentbewertung versteht man die Bewertung des wirtschaftlichen Wertes von einzelnen Patenten oder ganzen Patentportfolios.In Unternehmen kann eine monetäre Patentbewertung bei der Bilanzierung, im Controlling, bei Finanzierungsfragen, in Lizenzangelegenheiten, bei einem Verkauf oder bei juristischen Auseinandersetzungen erforderlich werden. Je nach Art der Anwendung können verschiedene Verfahren (kostenorientiert, ertragsorientiert, marktorientiert) der Bewertung im Vordergrund stehen. Eine monetäre Patentbewertung kann entweder von unternehmensinternen Abteilungen oder von externen Dienstleistern durchgeführt werden. Die Bewerter können oft nur Wahrscheinlichkeiten abschätzen, die mit vielen Unwägbarkeiten verbunden sein können. Diese Abschätzungen können die Grundlage für wichtige unternehmerische Entscheidungen bilden.

Es gibt interne und externe Gründe, warum eine monetäre Patentbewertung für ein Unternehmen notwendig werden kann:

Interne Gründe

  • Kostenoptimierung für das Patentportfolio, Controlling
  • Anpassung der Patentstrategie an die allgemeine Geschäftsstrategie
  • Entlohnung der Erfinder

Externe Gründe

  • Finanzierung
  • Lizenzvergabe
  • Fusionen und Übernahmen, Preisbestimmung
  • Bilanzierung/Inventur, Rechnungslegung (IAS 38)
  • erzwungene Bewertung (Konkurs, Schadenersatz)

Selbst wenn man keine eigenen Patente besitzt, kann bei folgenden Fragestellungen eine Patentbewertung notwendig werden:

  • Einlizenzierung (Lizenznahme) patentbasierter Technologien: Welche Lizenzgebühren sind realistisch, wieviel sollte ich dafür maximal aufwenden?

  • Einkauf von Wettbewerber-Patenten oder Firmenübernahme mit einem Patentportfolio: Steht der Preis der Patente in einem verträglichen Verhältnis zum erwarteten Gewinnzuwachs?

  • Wenn keine eigenen Patente angemeldet werden sollen (etwa um hohe Kosten und Prozessrisiken zu vermeiden und um Innovationszyklen zu beschleunigen): Welche Chancen entgehen mir dabei (keine Bilanzaktivierung, schlechtere Finanzierungskonditionen, Due Diligence Problematik)?

Es gibt zahlreiche Bewertungsverfahren, die je nach Anlass und gewünschtem Umfang angewendet werden können. Ebenso gibt es verschiedene Möglichkeiten, die jeweiligen Bewertungsverfahren im Unternehmen selbst oder mittels externer Dienstleister durchzuführen.

Die Patentbewertungsverfahren können in drei Kategorien (oder Wertkonzepte) gegliedert werden, in denen es jeweils unterschiedliche Verfahren gibt:

Kostenorientierte Bewertungsverfahren

Die kostenorientierten Verfahren bilden oft eine Preisuntergrenze für ein Patentportfolio. Diese Verfahren werden beispielsweise für Bilanzierungszwecke verwendet, um aus Gläubigerschutzgründen keine Überbewertung zuzulassen. Vor dem Inkrafttreten des sogenannten Bilanzmodernisierungsgesetz (BilMoG) im Jahr 2011 war eine Aktivierung in der Bilanz aus diesen Gründen überhaupt nicht möglich, seitdem in eingeschränktem Maß (nur in der Handels-, nicht in der Steuerbilanz; entgeltlich erworbene gewerbliche Schutzrechte mit Aktivierungspflicht, selbst geschaffene Schutzrechte mit Wahlrecht und unterschiedlich nach Handelsgesetzbuch und IFRS – International Financial Reporting Standards). Die Wertermittlung durch kostenorientierte Verfahren umfasst beispielsweise F&E-Kosten, Gemeinkosten, Kapitalkosten, Anmelde- und Aufrechterhaltungskosten.

 

Beispiel kostenorientiertes Verfahren (Aufsummieren der bisherigen Kosten):
Kosten für F&E (für dieses Patent; Sach-, Personalkosten etc.):
80.000 €
Gemeinkosten:2.000 €
Kosten für die Patentanmeldung:6.000 €
Kosten für die Patentanufrechterhaltung:4.000 €
Summe (Patentwert):

92.000 €

 

Ertragsorientiertes Bewertungsverfahren

Die ertragsorientierten Verfahren werden in der Praxis am häufigsten angewendet, beispielsweise bei Finanzierungsfragen im Rahmen einer Due Diligence, bei Bank- oder Venture-Capital-Verhandlungen oder bei Rechtsstreitigkeiten. Dafür ist entweder das interne Controlling/der IP Manager zuständig, oder externe Dienstleister/Gutachter können diese Verfahren durchführen.

Es gibt zahlreiche Hilfsinstrumente (beispielsweise IPscore, die kostenlose Software des Europäischen Patentamts, Literaturhinweise und sogar Normen wie die DIN 77100 oder die österreichische Norm ÖNORM A 6801). Die ertragsorientierten Verfahren basieren auf der Ermittlung eines aktuellen Barwertes anhand von zukünfitg erwarteten Einzahlungsüberschüssen innerhalb der Patentlaufzeit. Die Abzinsung zukünftiger Erträge auf den aktuellen Barwert erfolgt mit Hilfe marktüblicher Diskontierungsraten. Die notwendigen Zahlen prognostizierter zukünftiger Erträge können bereits im Produktmanagement, im Business Development oder allgemein in Businessplänen (zum Beispiel in Start-ups) vorhanden sein. Nicht zu unterschätzen ist allerdings auch die Beurteilung und Festlegung des Anteils des oder der Schutzrechte am zu erwartenden Cashflow – komplexe Produkte erfordern nun einmal eine komplexe Bewertung. Gerade in der Medizintechnik sind die Technologielebenszyklusphasen kurz, die wirtschaftliche Nutzungsdauer ist also oft deutlich kürzer, als die Schutzrechte gültig sind. .Das Verfahren kann mittels verschiedener Gewichtungen der zukünftigen Erträge mit verschiedenen Handlungsoptionen verfeinert werden.

 

Beispiel ertragsorientiertes Verfahren:
Erwartete Verkaufserlöse (Jahr)12345
in T Euro10.00010.00010.00010.00010.000
Patentanteil (2,5 %; T€)250250250250250
Barwertfaktor (10 %)0,90910,82640,75130,68300,6209
Aktueller Wert (T€)227,27206,61187,83170,75155,23
Summe (Patentwert):
947.700 €

Fazit

Trotz aller Unzulänglichkeiten der heute bekannten Verfahren zur monetären Patentbewertung sind sie für die Entscheidungsfindung in Unternehmen mitunter notwendig.. Das Fehlen bestimmter Parameter, etwa realistischer Umsatzprognosen, muss dann in begründeten und nachvollziehbaren Annahmen resultieren, um letztendlich notwendige Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen.

Der Experte

Dr. Dieter Westphal

Patentingenieur