Digital Health : Forschungspreis für App gegen Hautkrebs

Die „Sunface App“ soll Jugendliche und junge Erwachsene für Gefahren durch UV-Strahlung sensibilisieren. Der Entwickler Dr. Titus Brinker von der Universitäts-Hautklinik in Heidelberg wurde für seine Idee zur digitalen Hautkrebsprävention mit dem Young Research Award der La Roche-Posay Foundation ausgezeichnet – einem Preis auf den sich Nachwuchsforscher in ganz Europa bewerben können.

Eine Frau hält ein Tablet und darauf ist ein Foto zu sehen. Auf dem Bildschirm im Hintergrund ist ebenfalls ihr Foto zu sehen.
Titus Brinker will seine App in die Wartezimmer von Hausärzten bringen, um dort Patienten zu sensibilisieren. Erste Tests hätten gezeigt, dass das funktioniert.

UV-Strahlung egal ob bei ausgedehnten Sonnenbädern oder häufigem Solariumsbesuch setzt der Haut zu. Wie das in fünf oder 25 Jahren am eigenen Gesicht aussieht, zeigt die von Dr. Titus Brinker entwickelte „Sunface App“. Für seine Arbeit ist der junge Arzt jetzt mit dem mit 25.000 Euro Preisgeld dotierten Young Research Award der La Roche-Posay Foundation ausgezeichnet worden. Brinker, der bereits mehrere Gesundheits-Apps entwickelt hat, leitet seit Januar 2018 die App-Entwicklung am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg und absolviert parallel seine Facharztweiterbildung an der Universitäts-Hautklinik.

Mehrere Monate wissenschaftliche Literatur gesichtet

„Das war eine sehr kompetitive Preisauschreibung. Es konnten sich Forscher aus ganz Europa bewerben. Ich glaube,die Jury hat honoriert, dass es wirklich eine Menge Arbeit war, die wissenschaftlichen Grundlagen für die App zusammenzutragen und daraus eine anschauliche und leicht bedienbare Anwendung zu machen“, sagt Titus Brinker. Er hat über ein halbes Jahr hinweg „das Beste, was die wissenschaftliche Literatur über die Folgen von Sonneneinstrahlung für die Haut hergibt" gesichtet. Aus den Studien konnte er zum Beispiel entnehmen, unter welchen Hautveränderungen Menschen leiden, die über Jahrzehnte keinen Sonnenschutz benutzten. Faltenbildung, aktine Keratose oder Hautkrebs, zu all diesen Sonnen-Folgen gibt es wissenschaftliche Daten. „Ich habe verschiedene Studien ausgewertet und auch spezifisch für jeden Hauttyp analysiert“, so Brinker.

Aus der Analyse ergaben sich Durchschnittswerte mit denen Brinker abschätzen kann, wie sich die Haut über die Jahre verändert, abhängig vom bestimmten Hauttyp und von Handlungsmustern. Dass sich die Haut schneller verändert, wenn man einmal in der Woche ein Solarium besucht, liegt auf der Hand. Aber wie genau sich die Haut verändert und 15 Jahre später aussieht, das hat Bringer so genau wie möglich analysiert. Das Sichten der Daten war nur die eine Hälfte des Projekts. Titus Brinker wollte das Ganze anschaulich umsetzen, damit sich Jugendliche und junge Erwachsene davon angesprochen fühlen.

Facial-Aging-Apps liegen derzeit bei Jugendlichen im Trend

Deshalb griff er den Trend zu sogenannten Facial-Aging-Apps auf – also Apps, die dem Nutzer simulieren, wie er in 10, 20 oder 30 Jahren aussehen könnte. Während solche Apps nur witzige Spielerein sind, hat Titus Brinker die Technologie genutzt, um medizinische Fakten anschaulich für die Prävention aufzubereiten. Dem Nutzer bzw. der Nutzerin wird abhängig vom Hauttyp simuliert, wie sich sein oder ihr Gesicht verändert, wenn er oder sie bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legt.

„Vor allem junge Leute wollen mit dem ungesunden Bräunen ihre Attraktivität steigern. Das zeigen Befragungen unter Solariennutzern“, erklärt Brinker. „Dass dieser Schuss langfristig nach hinten losgeht, die Haut schädigt und ihre Alterung beschleunigt, zeigt die Sunface-App als Blick in den Spiegel in etwas weiter entfernter Zukunft.“ Dazu berechnet die App, wie stark sich, je nach Verhalten, das Hautkrebsrisiko erhöht, erklärt, wie man Hautkrebs und seine Vorstufen bei sich erkennen kann, und gibt Tipps für den richtigen Sonnenschutz. Wer will, kann sein animiertes Selfie via Social Media teilen.

Gewerbliche Nutzung der Apps durch Unternehmen und Krankenkassen

Der 27-jährige Mediziner entwickelte die App am Universitätsklinikum Essen. Seit Mai 2017 gibt es sie kostenlos für iPhones und Android Smartphones. Eine erste Studie mit insgesamt 205 Schülerinnen und Schülern im Alter von 13 bis 19 Jahren in Essen zeigte bereits: Die App motivierte die Schüler, sich besser vor UV-Strahlung zu schützen und das Solarium zu meiden. Brinker ist Inhaber der Smart Health Heidelberg GmbH, die Gesundheitsapps unter Nutzung von künstlicher Intelligenz entwickelt und vertreibt. Damit will der Mediziner auch Firmen ansprechen, die die Apps zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge nutzen könnten. Auch Kooperationen mit Krankenkassen seien denkbar.

Das Potenzial der niederschwelligen Angebote in Form von Apps hat man am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg erkannt und eine Forschungsgruppe „App-Entwicklung“ eingerichtet. Ziel des vierköpfigen Teams unter Brinkers Leitung ist es, digitale Gesundheitsangebote für Smartphone und Webbrowser zu entwickeln und auszuwerten. An Ideen und Erfindergeist mangelt es dem Nachwuchswissenschaftler nicht: Neben Sunface entwickelte er bereits sieben weitere Apps, darunter die Tabakpräventions-Apps Smokerface und Smokerstop mit mehr als 500.000 Nutzern.

Mehr Informationen im Internet:

Homepage von Smart Health Heidelberg

Homepage des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Heidelberg

©Medizintechnologie.de

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