Optische Kohärenztomographie : Fraunhofer IPT und Spectaris bauen Expertennetzwerk aus

Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist eine vielversprechende nicht-invasive Bildgebungstechnologie. Doch bislang kommt sie nur in wenigen medizinischen Disziplinen zum Einsatz. Um der OCT weitere Anwendungsgebiete zu erschließen, bauen das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und der Industrieverband Spectaris ein interdisziplinäres Expertennetzwerk aus. Über die Forschungsallianz sprachen wir mit Projektkoordinator Niels König, Abteilungsleiter Produktionsmesstechnik am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie (IPT).

Ein junger Mann beugt sich über eine silbrig glänzende Apparatur. Eine transparnete Plastikschale ist auf eine Lageurngsschiene platziert, darüber befindet sich ein Gerät, das entfernt an ein Mikroskop erinnert. Im Hintergrund ist ein Bildschirm zu sehen.
Die optische Kohärenztomographie hat großes Potenzial für die Medizin. Beispielsweise können Zellkulturen nicht-invasiv untersucht werden.

Die OCT kommt bislang vor allem in der Augenheilkunde zum Einsatz. Wo liegen weitere potenzielle Einsatzfelder für diese Technologie und warum?

Dipl.-Phys. Niels König: OCT basiert auf kurzkohärenter Interferometrie mit Licht und kann in der Praxis dazu eingesetzt werden, Gewebe ohne schädigende Strahlung dreidimensional darzustellen. Tumorgewebe beispielsweise lässt sich damit in einem sehr frühen Stadium aufspüren. Durch Eindringtiefen von mehreren Millimetern bei einem Auflösungsvermögen bis in den Mikrometerbereich, Scanraten in Echtzeit und Möglichkeiten der Miniaturisierung kombiniert diese nicht-invasive Technologie viele Vorteile anderer bildgebender Verfahren. Durch den Einsatz von OCT könnten künftig Diagnosen optimiert, Therapien schonender für den Patienten durchgeführt und Operations-Workflows beschleunigt werden. Potenzielle Einsatzfelder sehen wir in der Krebsdiagnostik in nahezu allen klinischen Disziplinen. Beispielhaft seien hier die Befundung von Lymphknoten und Lebertumoren in der Viszeralchirurgie oder in der Operation von Hirntumoren in der Neurochirurgie genannt. Des Weiteren gibt es umfangreiche Vorarbeiten in der Knorpeldiagnostik zur Früherkennung von Arthrose. Neben Knorpel lassen sich auch Nerven und Gefäße mit der OCT untersuchen. In der Kardiologie hält diese Technologie heute bereits zum Aufspüren von Plaques oder zur Stent-Kontrolle Einzug.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Aufbau des Netzwerks?

Wir wollen passende Akteure aus dem Umfeld der optischen Technologien zusammenbringen: Unternehmen, akademische und klinische Partner, Verbände und weitere Interessensgruppen. So bündelt das Netzwerk Kompetenzen und Interessen nahezu aller Akteure der Wertschöpfungskette. Denn langfristiges Ziel ist, neue OCT-Produkte für den klinischen Einsatz zu entwickeln und in den Markt zu bringen.

Wie gehen Sie das an?

In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt in der Förderinitiative „Innovationsforen Mittelstand“ haben wir seit September 2017 die interdisziplinäre Forschungsallianz OCT für die Medizin „Innovationsforum FOMed“ aufgebaut. Um dieses Netzwerk von Anwendern, Forschern und Entwicklern weiterzuführen, wurde nun das „Innovations-Hub FOMed: OCT für neue medizinische Applikationen“ gemeinsam mit dem Industrieverband für optische, medizinische und mechatronische Technologien Spectaris gegründet. Hier bündeln wir Kompetenzen und Interessen aller Partner, um systematisch medizinische Anforderungen zu identifizieren, Ideen weiterzuentwickeln, Lösungen aufzuzeigen und diese in konkreten Forschungs- und Entwicklungskooperationen umzusetzen. Darüber hinaus haben wir – ebenfalls mit Förderung des BMBF – das Projekt „Optical Coherence Tomography for New Medical Applications“, kurz OCTmapp, in Japan gestartet – dem zweitwichtigsten Medizintechnik-Markt der Welt. Während der fünfjährigen Projektlaufzeit wollen Partner aus Deutschland und Japan gemeinsam eine sich finanziell selbsttragende deutsch-japanische Forschungseinrichtung aufbauen.

Wie kann man Teil des Netzwerkes werden?

Interessierte Unternehmen und andere Institutionen aus dem Umfeld der optischen Technologien und der Medizintechnik sind herzlich eingeladen, sich am Innovations-Hub FOMed zu beteiligen. Dazu einfach Kontakt mit mir aufnehmen. Wir sind ein lockerer Verbund, ohne Satzung oder Vertragswesen und verfolgen einen Open-Innovation-Ansatz. Gerade kleinere Hightech-Unternehmen, denen es alleine nicht oder nur sehr schwer gelingt, Komplettlösungen mit dem im Medizintechnikmarkt üblichen Erschließungsaufwand anzubieten, können von der Teilnahme am Netzwerk profitieren und sich neue Marktchancen eröffnen.

Mehr im Internet:

www.forschungsallianz-oct.de

www.octmapp.com

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