Endoprothesenregister : Höheres Risiko kurz nach Herstellerwechsel

Die Erfassungsrate aller endoprothetischen Operationen in Deutschland steigt weiter. Erstmals wurde der Body-Mass-Index der Patienten mit erfasst. Ansonsten setzt sich ein Trend fort: Hüfte ohne, Knie mit Zement. Auffällig: Unter höherem Risiko für Implantatausfälle stünden, den Experten zufolge, die Patienten kurz nach Wechsel von Herstellern in Kliniken. Am vergangenen Mittwoch stellte das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) seinen Jahresbericht 2017 vor.

Erstmals wurde der Body-Mass-Index (BMI) der Patienten mitberücksichtigt. Nach Angaben des EPRD bestätigt sich dadurch ein vermuteter Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Kniegelenksverschleiß.

„In keinem Register Europas gehen pro Jahr mehr Datensätze ein als im EPRD“, schreibt Volkmar Jansson, wissenschaftlicher Direktor des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD), im Vorwort des am vergangenen Mittwoch in Berlin veröffentlichten Jahresberichtes 2017. Janson zufolge arbeite das EPRD daran, die Produktdatenbank mit Registern anderer Länder zu harmonisieren – etwa dem englischen Register NJR. „Für die Produktdatenbank, die neben den Dokumentationen aus den Kliniken und den Datenübermittlungen durch die Krankenkassen eine der tragenden Säulen des Registers darstellt, liegt jetzt eine komplett harmonisierte und in wichtigen Bereichen modifizierte Struktur vor, die von der Industrie mit Datensätzen gefüllt wird.“   

Es ist der dritte Jahresbericht des EPRD. Mittlerweile erfasst das Register im sechsten Jahr in Folge Daten über Operationen an Hüfte und Knie. Demnach wurden im Jahr 2017 annähernd 283.000 OP-Dokumentationen von 706 Krankenhäusern erfasst. Die Erfassungsrate aller endoprothetischen Eingriffe an Hüfte und Knie – das waren insgesamt etwa 448.000 Operationen in 1.300 Kliniken – betrug damit 63 Prozent (2016: 56,6 Prozent). In keinem der Erfassungsjahre zuvor seien, nach Angaben von EPRD, mehr Berichte eingegangen.

Erstmals Body-Mass-Index erfasst

Die Alters- und Geschlechtsverteilung der operierten Patienten sei bislang nahezu unverändert: Etwa drei von fünf Patienten, die sich einer Erstimplantation an Hüfte oder Knie unterziehen, sind weiblich. Zum Zeitpunkt dieser Erstimplantation sind die Patienten im Mittelwert (Median) 70 Jahre alt. Hüftversorgungen werden mit einem Anteil von 56 Prozent häufiger vorgenommen als Knieversorgungen (44 Prozent).

Erstmals wurde der Body-Mass-Index (BMI) der Patienten mitberücksichtigt. Hier unterscheiden sich Hüft- und Kniepatienten deutlich: Während der Mittelwert (Median) bei den Hüftpatienten bei 27 Punkten lag, war er bei den Kniepatienten fast drei Punkte höher. „Dies entspricht einem deutlichen Gewichtsunterschied und stützt daher die bekannte Assoziation von starkem Übergewicht und Entwicklung des Kniegelenksverschleißes“, schreiben die Autoren des EPRD-Jahresberichtes.

Ein Trend setzt sich weiter fort: Nach wie vor werde, nach Angaben des EPRD, der künstliche Hüftgelenkersatz in Deutschland überwiegend ohne Verwendung von Zement im Knochen verankert (77 Prozent). Dagegen stelle bei der endoprothetischen Versorgung des Kniegelenks die vollständig zementierte Verankerung den Regelfall dar. Im Jahr 2017 wurden von den im EPRD dokumentierten Knieversorgungen etwa 92 Prozent der totalen Knieendoprothesen, bei der alle drei Teile des Kniegelenks vollständig ersetzt werden, zementiert. Dieser Wert liege so hoch wie noch nie seit Beginn der Datenerfassung im EPRD.

Erfahrung zählt

Wie in den Vorjahren wurden auch im Jahr 2017 nach Angaben der Kliniken die meisten Folgeeingriffe, also die erneute Operation an einem bereits endoprothetisch versorgten Gelenk, an Knie und Hüfte aufgrund einer Lockerung oder Infektion notwendig. „Auch wenn das EPRD nicht die Erfahrung einzelner Operateure messen kann, zeigt sich, dass die Gesamterfahrung einer Klinik eine wesentliche Rolle für die Standzeiten spielt“, schreiben die Autoren des EPRD-Jahresberichtes.

Kliniken, die den Hersteller, über den sie ihre Implantatkomponenten beziehen, wechselten, wiesen nach diesem Wechsel signifikant höhere Ausfallwahrscheinlichkeiten auf. Die Autoren des EPRD vermuten, dass der Wechsel der verwendeten Implantate von Operateuren und OP-Personal ein Umlernen erfordere und damit unmittelbar nach dem Wechsel ein zusätzliches Risiko für die Versorgung und damit den Patienten darstellen könne.

Die Teilnahme am Register ist freiwillig. Zum Jahresende 2018 werde das EPRD, nach eigenen Angaben, Informationen über mehr als eine Million Implantationen an Hüfte und Knie gesammelt haben.

Mehr dazu im Internet:

EPRD-Jahresbericht 2017

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