Neue Förderrichtlinie des BMBF : Kampf gegen gefährliche Keime

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat am vergangenen Dienstag die Förderrichtlinie „Innovative medizintechnische Lösungen zur Prävention und Versorgung nosokomialer Infektionen“ veröffentlicht. Forschende und entwickelnde Medizintechnikhersteller müssen ihre Anträge schnell schreiben, denn die Antragsfrist endet bereits Ende Januar 2019.

Auf einer Petrischale sieht man Punkte, Bakterienkulturen.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene infizieren sich in Deutschland jährlich annähernd eine Million Menschen im Zusammenhang mit medizinischen Interventionen im Krankenhaus, bis zu 40.000 Patienten sterben pro Jahr an nosokomialen Infektionen.

Die Raten von nosokomialen Infektionen steigen seit Jahren weltweit. Und diese Infektionen sind ein lebensbedrohliches Risiko. Denn die Erreger sind zunehmend resistent gegenüber Antibiotika. Prävalenzstudien zeigten, nach Angaben des Robert-Koch-Institutes, dass nosokomiale Infektionen international bei 4 bis 9 Prozent der vollstationär behandelten ­Patienten auftreten.

In Deutschland gehören diese Infektionen zu den häufigsten Komplikationen medizinischer ­Behandlungen, verbunden mit hohen Belastungen für die Patienten und das Gesundheitssystem. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene infizieren sich in Deutschland jährlich annähernd eine Million Menschen im Zusammenhang mit medizinischen Interventionen im Krankenhaus, bis zu 40.000 Patienten sterben pro Jahr an nosokomialen Infektionen. Durchschnittlich verursachen nosokomiale Infektionen zehn Tage längere Liegezeiten sowie Zusatzkosten von 4.000 bis 20.000 Euro pro betroffenem Patient. In schwerwiegenden Fällen verlängern sich Krankenhausaufenthalte um mehrere Monate.

Dabei ist das Potenzial für die Prävention sehr groß: Ein Drittel der Krankenhausinfektionen gilt als vermeidbar – zum Beispiel durch bessere Hygiene. Deshalb will das BMBF die Entwicklung neuer Medizinprodukte zur Prävention und Versorgung nosokomialer Infektionen fördern. Drei Schwerpunkte gibt es: (1) Medizintechnik, die direkt im Kontakt mit den Patienten ist (etwa Implantate, Katheter, Beatmungsgeräte, OP-Werkzeug); (2) Hygieneketten und Diagnostik (etwa Screenings, Transport, Desinfektionsprozesse) und (3) Monitoring (etwa digitale Dokumentation, Datenauswertung und Überwachung der Ausbreitung).

Dabei sollte das Medizinprodukt ein zentrales Element sein. „Gegenstand der Förderung sind industriegeführte, risikoreiche und vorwettbewerbliche Vorhaben der Forschung und Entwicklung – in der Regel in Form von Verbundprojekten – in denen die Erarbeitung von neuen, marktfähigen Versorgungslösungen auf Basis innovativer medizintechnischer Lösungen angestrebt wird“, schreiben die Autoren der Förderrichtlinie.

Mehr dazu auf Medizintechnologie.de:

Förderrichtlinie „Innovative medizintechnische Lösungen zur Prävention und Versorgung nosokomialer Infektionen“

Hintergrundbericht: Medizintechnische Innovationen gegen Keime

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