EPA Jahresbericht 2016 : Europa zieht an den USA vorbei

Weltweit steigen die Patentanmeldungen. Die Medizintechnik ist weiterhin das innovativste Technologiefeld. Global gesehen meldeten europäische Unternehmen mehr Patente an als die Konkurrenz in den Vereinigten Staaten. Aus der Bundesrepublik kamen aber deutlich weniger Anträge als in den Vorjahren.

Benoît Battistelli ist Präseident des Europäischen Patentamtes.

„Die Ergebnisse von 2016 unterstreichen die Rolle Europas als attraktiver und weltweit führender Innovationsstandort“, sagte Benoît Battistelli. Am vergangenen Dienstag stellte der Präsident des Europäischen Patentamtes (EPA) den Jahresbericht 2016 seiner Behörde in Brüssel vor. Demnach wurden 159.353 europäische Patentanmeldungen dort eingereicht. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (2015: 160.004). Insgesamt – also weltweit – wurden 296.000 Patenanmeldungen registriert. Und das ist ein neues Allzeithoch. Zum Vergleich: 2015 waren es 279.000 Patentanmeldungen.

Die meisten Patenanmeldungen kamen aus dem Technologiefeld Medizintechnik. Insgesamt waren es 12.263 Anträge. In der Medizintechnik überholten die europäischen Länder zusammengenommen mit 5.023 Patentanmeldungen die Vereinigten Staaten. Allerdings sprechen die absoluten Zahlen pro Land noch immer eine andere Sprache. So meldeten die Medizintechnikhersteller aus den USA insgesamt 4.606 Patente (-11,2 Prozent) an. Und damit sind die Nordamerikaner weiterhin unangefochten die Nummer eins. Die deutschen Firmen meldeten 1.323 Patente (-7,4 Prozent) an. In beiden Ländern gingen die Patenanmeldungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück. Zumindest für die USA hat das EPA eine Erklärung. So sei der rechtliche Rahmen verändert worden und das hätte zu dem Rückgang geführt.

Branchenübergreifend sind die US-amerikanischen Unternehmen am aktivsten. Die USA können  trotz einem Rückgang von 5,9 Prozent insgesamt 40.076 Patentanmeldungen verbuchen - immerhin ein Viertel aller Patenanmeldungen. In der Medizintechnik sind Medtronic (535), Johnson&Johnson (450) und Boston Scientific (255) führend in den USA. Deutsche Unternehmen folgen im branchenübergreifenden Vergleich mit 25.086 Patentanmeldungen. Die Bundesrepublik liegt damit auf Patz zwei der Weltrangliste. Fresenius ist mit 155 Patentanmeldungen als einziger deutscher Konzern in den Top Ten vertreten. Das aktivste Bundesland ist Bayern - gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Gleichzeitig ist es eine der aktivsten Regionen in Europa überhaupt. Die aktivste deutsche Stadt war 2016 die bayerische Hauptstadt München, gefolgt von Stuttgart.

Die stärksten Anmeldezuwächse branchenübergreifend verzeichnet die EPA aus China (+24,8 Prozent),  Belgien (+7 Prozent), Südkorea (+6,5 Prozent) und Italien (+4,5 Prozent). Immerhin meldeten 2016 deutsche Unternehmen 1,1 Prozent mehr Patente an. Im Bereich der Medizintechnik legte Südkorea mit einem Plus von 31,5 Prozent deutlich vor allen anderen Ländern zu - gefolgt von Großbritannien (+22,4 Prozent), der Niederlande (+11,4 Prozent) und China (+10,2 Prozent).  

Eindeutig dominieren die großen Unternehmen mit 66 Prozent aller Anmeldungen. Branchenübergreifend ist Philips im zweiten Jahr in Folge weltweit das anmeldestärkste Unternehmen bei der EPA. Auch in der Medizintechnik steht der niederländische Konzern mit 761 Patentanmeldungen ganz oben auf dem Treppchen. Auf Platz zwei im branchenübergreifenden Vergleich rückt Huawei vor und löst damit Samsung ab. Vor drei Jahren rangierte dieser Konzern noch auf dem elften Platz. Siemens liegt branchenübergreeifend auf dem sechsten Rang und ist damit das anmeldstärkste Unternehmen aus Deutschland - liegt aber mit den Healthineers nicht in den Top ten der Medizintechnik. Nur 28 Prozent sind kleine und mittlere Unternehmen.

Seit fünf Jahren verzeichnet das EPA bei den Anmeldungen einen positiven Trend nach oben. Demgegenüber erteilte das EPA insgesamt 95.940 Patente – auch ein Rekordwert. Im Vergleich zum Vorjahr sind das sage und schreibe 40 Prozent mehr ausgestellte Patente. Die Behörde führt das größtenteils auf die gestiegene Qualität der Anträge zurück. Die meisten Patente erhielten US-Firmen - nämlich 21.939. Das sind fast doppelt soviele Patente wie im Vorjahr. Insgesamt erteilte die EPA 18.700 Patente an deutsche Unternehmen - ein Fünftel aller Patente. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von 32,7 Prozent. Die meisten Patente gingen an die Robert Bosch GmbH.

„Auch in Zeiten rapider politischer und wirtschaftlicher Veränderungen halten Unternehmen aus der ganzen Welt ihre große Nachfrage nach Patentschutz in Europa aufrecht. Während wir ein weiterhin beeindruckendes Anmeldewachstum aus Asien beobachten, können sich jedoch auch europäische Unternehmen als Innovations- und Wachstumstreiber auf ihrem Heimatmarkt behaupten und haben im vergangenen Jahr angesichts unsicherer wirtschaftlicher Entwicklungen Robustheit bewiesen“, sagt Battistelli.

Mehr dazu im Internet:

Europäisches Patentamt Jahresbericht 2016 

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