Gesundheitsausgaben 2015 : Fast eine Milliarde - täglich

Die aktuellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik sind da. Wenig überraschend: Die Gesundheitsausgaben steigen weiter. Und die gesetzlichen Krankenkassen sind mit Abstand die größten Finanzierer im Gesundheitssystem. Allerdings knackten sie 2015 eine wirklich historische Marke. Derweil geht die Schere zwischen ambulantem und stationärem Sektor trotz Zuwächsen in beiden Bereichen weiter auseinander. Beachtenswert sind die steigenden Ausgaben in der ambulanten Pflege. Ernüchternd sind dagegen die Zahlen im Bereich der Investitionen.

Die gesetzlichen Krankenkassen haben 2015 die magische Marke von 200 Milliarden für Gesundheitsausgaben geknackt. Die Ausgabenschere zwischen ambulantem und stationärem Sektor geht weiter auseinander.

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland beliefen sich im Jahr 2015 auf 344,2 Milliarden Euro. Dieser Wert entspricht einem Anteil von 11,3 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Demnach wurde - volkswirtschaftlich betrachtet - jeder neunte Euro für Gesundheit ausgegeben. Rein mathematisch sind das Umsätze von täglich 942,88 Millionen Euro oder Ausgaben von 4.213 Euro je Einwohner pro Jahr. Das Bundesamt für Statistik veröffentlichte die aktuellen Zahlen über die Gesundheitsausgaben am Dienstag in Wiesbaden.

Im Vergleich zu 2014 stiegen die Gesundheitsausgaben um 15 Milliarden Euro – also  um 4,5 Prozent. Die Ausgaben wachsen das vierte Jahr in Folge stärker als das Bruttoinlandsprodukt. Und dieser Trend hält an: Für das Jahr 2016 prognostiziert das Statistische Bundesamt einen Anstieg der Gesundheitsausgaben auf 359,1 Milliarden Euro. Die Hauptgründe dafür sind die steigende Lebenserwartung der Menschen und die steigenden Behandlungszahlen in der Bundesrepublik.

64 Milliarden Mehrausgaben in zehn Jahren

Es überrascht nicht, dass auch 2015 die gesetzlichen Krankenkassen den größten Anteil, nämlich 58,1 Prozent, der Gesundheitsausgaben tragen. Allerdings knackten die Kassen die magische Marke von 200 Milliarden Euro. Das sind sage und schreibe über 500 Millionen Euro am Tag. Gegenüber dem Vorjahr mussten sie für Diagnosen und Behandlungen 8,3 Milliarden Euro mehr bezahlen – ein Anstieg um 4,3 Prozent. Ein Zehnjahresrückblick macht deutlich, vor welchen Herausforderungen die Solidargemeinschaft derzeit steht. Von 2005 bis 2015 mussten die Kassen 64 Milliarden Euro Mehrausgaben finanzieren.

Nach den gesetzlichen Krankenkassen gaben private Haushalte und Organisationen ohne Erwerbszweck, wie etwa das Deutsche Rote Kreuz, das meiste Geld für Gesundheit aus – nämlich 46,1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von 13,4 Prozent aller  Gesundheitsausgaben in Deutschland. Hier verzeichnete das Bundesamt für Statistik mit 1,4 Milliarden oder 3,1 Prozent geringeren Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.

Drittgrößter Leistungsträger sind die privaten Krankenversicherungen. Auf sie entfielen 8,9 Prozent der Gesundheitsausgaben. Sie steigerten ihre Ausgaben insgesamt um fünf Prozent auf 30,5 Milliarden Euro.

Ausgaben der Pflegeversicherung steigen überdurchschnittlich

Die soziale Pflegeversicherung holt ordentlich auf, was den Ausgabenanteil betrifft. Sie verbuchte im Jahr 2015 mit einem Plus von zehn Prozent auf 28 Milliarden Euro einen überdurchschnittlichen Ausgabenanstieg. Damit hat die Pflegekasse einen Anteil von 8,1 Prozent an den Gesamtausgaben. Den Anstieg führt das Bundesamt für Statistik auf das erste Pflegestärkungsgesetz zurück, das am 1. Januar 2015 in Kraft trat.

Die Ausgaben für den ambulanten Sektor beliefen sich auf 172,28 Milliarden Euro. Im stationären Bereich wurden 128,74 Milliarden Euro ausgegeben. Damit geht die Schere zwischen ambulantem und stationärem Sektor weiter auseinander. 2005 waren es noch 118,28 Milliarden Euro für Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Apotheken gegenüber 90,76 Milliarden Euro für Kliniken, Reha- und Pflegeeinrichtungen.

Während die laufenden Gesundheitsausgaben steigen, bewegt sich bei den Investitionen so gut wie gar nichts – und das über die letzten zehn Jahre gerechnet. 2005 investierten die öffentlichen und privaten Haushalte – also Bund, Länder, Kommunen, gesetzliche Krankenversicherung, Unfallversicherung und die eben auch die Kliniken selbst – insgesamt 5,99 Milliarden Euro. 2015 waren es 5,95 Milliarden Euro. Zu einem Großteil fließen diese Gelder nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in die Krankenhäuser.

Trend bei Medizinprodukten setzt sich fort

Insgesamt wurden für Waren 93,75 Milliarden ausgegeben - dies ist der größte Ausgabenposten vergleicht man nach so genannten Leistungungsarten. Davon entfielen 53,22 Milliarden Euro allein auf Arzneimittel, 18,86 Milliarden auf Hilfsmittel (2014: 18,1 Milliarden Euro), 7,39 Milliarden Euro auf Zahnersatz und 14,28 Milliarden Euro auf sonstigen medizinischen Bedarf (2014: 13,9 Milliarden Euro) – wie etwa Implantate oder Blutprodukte. Die Ausgaben für Hilfsmittel dürften künftig schneller steigen, da das Hilfsmittelverzeichnis bis Ende 2018 überarbeitet wird und in die Vertragsabschlüsse der gesetzlichen Krankenkassen Qualitätskriterien eingeführt werden. So könnte sich diese Anpassung trotz der demografisch bedingten Mengenzunahme - und der damit zusammenhängenden Mengenrabatte - auf den Preis der jeweiligen Produkte auswirken.

Die Ärzte kommen auch gut weg. Für ihre Behandlungen erhielten sie insgesamt 92,9 Milliarden Euro. Darunter befinden sich hausärztliche genauso wie fachärztliche Untersuchungen, Strahlentherapie (2015: 9,42 Milliarden Euro) und Labordiagnostik (2015: 8,57 Milliarden Euro).  Der dritte große und schnell anwachsende Ausgabenposten ist die Pflege. 2015 gaben die öffentlichen und privaten Haushalte dafür 90,57 Milliarden Euro aus. Innerhalb von zehn Jahren haben sich diese Ausgaben fast verdoppelt. Zum Vergleich: 2005 waren es noch 59,1 Milliarden.

Das Bundesamt für Statistik geht davon aus, dass die Gesamtrechnungen der gesetzlichen Krankenkassen und Sozialversicherungsträger abweichen, weil sie noch andere Leistungen mit einbeziehen. Denn in der Statistik werden Aufwendungen für Forschung und Ausbildung im Gesundheitswesen sowie Ausgaben für den Ausgleich krankheitsbedingter Folgen und Einkommensleistungen nicht ausgewiesen.

Mehr dazu im Internet:

Gesundheitsausgaben 2015 in der Onlinedatenbank des Bundesamtes für Statistik

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