Kurz&Bündig : General Electric lagert Medizintechnik aus

Am Ende der Woche blicken wir zurück. Handverlesen präsentieren wir hier Nachrichten der vergangenen sieben Tage, die es Wert sind, gelesen zu werden. So bebte der US-amerikanische Medizintechnikmarkt gewaltig. Der Industrieriese General Electric (GE) muss sein Imperium erheblich verkleinern - der Schuldenberg ist zu groß. Unter anderem lagert der Konzern deshalb die Medizintechnik-Sparte aus.

Eines von GE Healthcare Produkten: Der 3 Terra Magnet Resonanz Tomograf SIGNA™ Premier.

Der strauchelnde US-Industrieriese General Electric (GE) trennt sich von seiner Medizintechnik-Sparte. Das teilte der Siemens-Rivale am Dienstag in Boston mit. Zudem verkauft der Mega-Konzern seine Gas- und Ölsparte sowie einen Finanzinvestor. Die Schritte kommen einer Zerschlagung des 126 Jahre alten Industriekonzerns gleich. GE-Chef John Flannery, der den US-Mischkonzern nun seit August 2017 führt, sprach von einem Meilenstein in der Geschichte des Konzerns. GE werde durch die Einschnitte agiler und könne zudem Schulden abbauen, sagte er. Bis 2020 sollen diese um 25 Milliarden Dollar runter. Zudem rechnet GE mit Einsparungen bei den Verwaltungskosten in Höhe von mindestens 500 Millionen US-Dollar im gleichen Zeitraum. Die Zeichen stehen bei GE schon bereits seit Jahren auf Veränderung. Flannerys Vorgänger Jeffrey Immelt hatte das riesige Portfolio, zu dem einst unter anderem auch Kühlschränke, Kunststoffe und die Sendergruppe NBC gehörten, zurechtgestutzt.

Ein Fünftel der Medizintechnik will Flannery verkaufen, den Rest an die Aktionäre weiterreichen. Für die Analysten der Ratingagentur Standard & Poor's ist das ein Grund, eine Abstufung der Bonitätsratings zu prüfen. Der geplante Verkauf der Gesundheitssparte führe zwar zum Schuldenabbau, schmälere allerdings auch den Barmittelzufluss, so die Argumentation. Durch die Konzentration auf weniger Geschäftsfelder werde zudem das Risiko künftig weniger breit gestreut, GE dadurch anfälliger. Auch die Analysten von JPMorgan sind noch nicht überzeugt. De facto handele es sich bei den Maßnahmen um eine Kapitalerhöhung. Die Experten befürchten zudem Einschnitte bei der Dividende. GE will nach eigenen Angaben die Dividendenpolitik bis zur Ausgliederung der Medizintechnik beibehalten. Danach soll sich die Ausschüttung aber an der Konkurrenz orientieren. Laut JPMorgan dürfte damit die Ausschüttungsquote von vormals 75 Prozent der freien Mittel aus dem Industriegeschäft auf 40 bis 50 Prozent sinken.

Konzernchef Flannery ist angesichts des Niedergangs des Konzerns zum Handeln gezwungen. Allein im vergangenen Jahr verloren die GE-Aktien 45 Prozent an Wert, in diesem Jahr waren es bislang 27 Prozent. Der Wertverfall an der Börse hat auch Konsequenzen für die Mitgliedschaft im US-Leitindex Dow Jones Industrial, dessen Gründungsmitglied GE einst war. Seit Dienstag gehört die GE-Aktie dem Index der größten 30 US-Unternehmen nicht mehr an. Den Platz nimmt nun die Drogerie- und Apothekenkette Walgreens ein.

CDU/CSU will zweites E-Health-Gesetz und nationalen E-Health-Strategieprozess

Das Digitalkabinett tagte am Mittwoch zum ersten Mal. Einen Tag später beauftragte der Bundestag eine Enquete-Kommission, politische Handlungsempfehlungen für die „künstliche Intelligenz“ zu erarbeiten. Am Freitag veröffentlichte nun die CDU/CSU-Fraktion ein Positionspapier zur E-Health-Strategie. „Unser Positionspapier ist ein klares Signal, dass wir die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben wollen“, sagte Karin Maag, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU. „Dafür brauchen wir mehr Rechtsklarheit, mehr Teamgeist, mehr politische Führung und Ordnung. Da die Herausforderungen groß sind, erscheint uns eine Neuauflage des E-Health-Gesetzes nötig – also ein E-Health-Gesetz 2.0.“

Allerdings steht das ja eh schon auf dem Todo-Zettel von Parteikollege und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Auch die Parlamentarier legen großen Wert darauf, dass die künftigen Rahmenbedingungen von vornherein sektorübergreifend angelegt sind. „Die Digitalisierung muss als sektorenübergreifende Teamaufgabe verstanden werden. Bei der Verteilung künftiger Zuständigkeiten muss aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und, sofern erforderlich, nachjustiert werden.“ Die Gematik solle „zentrale Instanz“ in Fragen der Interoperabilität werden. „Auch auf diese Weise können wir dazu beitragen, den digitalen Fortschritt im Gesundheitswesen zu beschleunigen.“ Und die CDU/CSU-Bundestagsfraktion will einen „von der Politik moderierten nationalen E-Health-Strategieprozess“. „Denn Zielsetzung wie auch Umsetzung des digitalen Wandels können wir nur im gemeinsamen Dialog gestalten“, so Maag.

Mehr dazu im Internet:

Positionspapier der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

conhIT heißt jetzt DMEA

Die Berliner Messe Connecting Healthcare IT (conhIT) erhält nach elf Jahren einen neuen Namen: Digital Medical Expertise & Applications – oder kurz DMEA. Die Umbenennung sei nach Angaben der Veranstalter ein deutliches Zeichen der strategischen und inhaltlichen Weiterentwicklung des Messe- und Kongresskonzeptes der conhIT. Zukünftig werde die DMEA die gesamte digitale Versorgungskette des Gesundheitssystems in allen Prozessschritten abbilden. Erklärtes Ziel der DMEA ist es, „sowohl die fachrichtungs- und sektorenübergreifende digitale Vernetzung zu fördern, als auch neue Zielgruppen anzusprechen“. Die DMEA richtet sich an Entscheider aus sämtlichen Bereichen der Gesundheitsversorgung – von Krankenhausgeschäftsführern und IT-Leitern über Ärzte und Pflegedienstleiter bis hin zu Gesundheitspolitikern und Experten aus Wissenschaft und Forschung. Als integrierte Gesamtveranstaltung mit Messe, Kongress, Akademie und Networking bietet sie den Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen und Produkte der digitalen Gesundheitsversorgung zu informieren, Kontakte in der Branche zu knüpfen und sich auf hohem Niveau fortzubilden.

Die Mischung aus Fachmesse, Akademie, Kongress und vielzähligen Dialog-Veranstaltungen der conhIT werde aber auch unter dem neuen Namen erhalten bleiben. Einzelne Komponenten werden nach Angaben der Veranstalter weiterentwickelt, „um noch mehr Raum für innovative Impulse und einen gemeinsamen Diskurs zu schaffen“. „Die conhIT hat entscheidend dazu beigetragen, dass IT nicht mehr losgelöst von Prozessen der Gesundheitsversorgung betrachtet wird; sie ist vielmehr als elementarer Bestandteil anerkannt. Es wird nicht mehr darüber diskutiert, ob die Digitalisierung stattfinden soll, sondern in welcher Geschwindigkeit und in welchem nutzenstiftenden Anwendungsfall“, sagt Jens Naumann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Gesundheits-IT – bvitg e.V. „Erfolgreiche digitale Gesundheitsversorgung ist interdisziplinär. Daher versteht sich die DMEA ausdrücklich als Informations- und Kommunikationsveranstaltung für alle Entscheider, die an der Gestaltung digitaler Prozesse im Gesundheitssystem beteiligt sind.“ Die DMEA 2019 findet vom 9. bis zum 11. April 2019 auf dem Messegelände Berlin statt.

Deutsche Kinder und Jugendliche leben gesünder

Kinder und Jugendliche in Deutschland trinken weniger Alkohol und rauchen auch erheblich weniger als noch vor zehn Jahren. Das geht aus einer neuen Auswertung der Langzeitstudie KiGGS hervor, die das Robert Koch-Institut am Mittwoch veröffentlicht hat. Deutlich wird dabei aber auch, dass der Status der Eltern mit Blick auf Ernährung und Gesundheit weiterhin die Weichen für das Leben stellt. 3- bis 17-Jährige aus sozial schwachen Familien essen nicht nur ungesünder, sondern treiben auch seltener Sport. Im Ergebnis leiden diese Kinder und Jugendlichen häufiger unter Übergewicht als solche aus Elternhäusern mit höherem Sozialstatus.

Die Langzeitstudie, in die Gesundheitsdaten von mehr als 12.000 Jungen und Mädchen einfließen, liefert neue Ergebnisse zum Alkoholkonsum - mit positiver Tendenz. Gut die Hälfte der befragten 11- bis 17-Jährigen (51 Prozent) hatte schon mal Alkohol getrunken. Vor zehn Jahren waren es 63,9 Prozent. Von regelmäßigem Rauschtrinken berichten 7 Prozent. Bei der KiGGS-Erhebung vor zehn Jahren waren das mit 12 Prozent knapp doppelt so viele. Eine Entwarnung ist das nicht. Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts für 2016 kamen bundesweit rund 22.300 junge Patienten von 10 bis 20 Jahren mit Alkoholvergiftungen in eine Klinik. Das war kein Rückgang, sondern erstmals seit 2012 wieder eine leichte Steigerung - um knapp zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.  

Mehr dazu im Internet:

Ergebnisse der Langzeitstudie KiGGS

Fast 10 Prozent der Bundesbürger schwerbehindert

Zum Jahresende 2017 lebten rund 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag mitteilte, waren das rund 151.000 oder 2,0 Prozent mehr als am Jahresende 2015. 2017 waren somit 9,4 Prozent der gesamten Bevölkerung in Deutschland schwerbehindert. Etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) waren Männer, 49 Prozent waren Frauen. Als schwerbehindert gelten Personen, denen die Versorgungsämter einen Grad der Behinderung von mindestens 50 zuerkannt sowie einen gültigen Ausweis ausgehändigt haben.

Behinderungen treten vor allem bei älteren Menschen auf: So war circa ein Drittel (34 Prozent) der schwerbehinderten Menschen 75 Jahre und älter. 44 Prozent gehörten der Altersgruppe von 55 bis 74 Jahren an. 2 Prozent waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Mit 88 Prozent wurde der überwiegende Teil der Behinderungen durch eine Krankheit verursacht. 3 Prozent der Behinderungen waren angeboren beziehungsweise traten im ersten Lebensjahr auf. Nur 1 Prozent der Behinderungen war auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen. Die übrigen Ursachen summieren sich auf 7 Prozent.

Körperliche Behinderungen hatten 59 Prozent der schwerbehinderten Menschen. Bei 25 Prozent waren die inneren Organe beziehungsweise Organsysteme betroffen. Geistige oder seelische Behinderungen hatten insgesamt 13 Prozent der Fälle, zerebrale Störungen 9 Prozent der Fälle. Bei 12 Prozent waren Arme und/oder Beine in ihrer Funktion eingeschränkt, bei weiteren 11 Prozent Wirbelsäule und Rumpf. In 5 Prozent der Fälle lag Blindheit beziehungsweise eine Sehbehinderung vor. 4 Prozent litten unter Schwerhörigkeit, Gleichgewichts- oder Sprachstörungen. Der Verlust einer oder beider Brüste war bei 2 Prozent Grund für die Schwerbehinderung. Bei den übrigen Personen (19 Prozent) war die Art der schwersten Behinderung nicht ausgewiesen.

Bei knapp einem Viertel der schwerbehinderten Menschen (23 Prozent) war vom Versorgungsamt der höchste Grad der Behinderung von 100 festgestellt worden. 33 Prozent wiesen einen Behinderungsgrad von 50 auf.

© Medizintechnologie.de/dpa

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