Krankenhaus-Rating-Report 2018 : „Kliniken fehlt Geld für Investitionen“

Den Krankenhäusern in Deutschland fehlt Geld, um notwendige Investitionen für digitale Innovationen und moderne Medizinprodukte zu tätigen. Das ist das Ergebnis des aktuellen Krankenhaus-Rating-Reports 2018. Der vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und zwei Consulting-Firmen veröffentlichte Bericht basiert auf Zahlen aus dem Jahr 2016 und sieht eine jährliche Förderlücke der Länder von drei Milliarden Euro.

In einem Krankenzimmer kümmern sich eine Pflegerin und ein Pfleger um einen männlichen Patienten.
Mehr Patienten und weniger Fachpersonal, das ist eine Folge des demographischen Wandels, die in de nächsten Jahren spürbar wird. Die Digitalisierung und smarte Medizinprodukte könnten hier Abhilfe schaffen. Doch die Krankenhäuser haben zu wenig Geld für Innovationen, sagen die Autoren des Krankenhaus-Rating-Reports 2018.

Die wirtschaftliche Situation der 860 in der Studie untersuchten Krankenhäuser hat sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Nur noch 7 Prozent der Krankenhäuser befanden sich im Bereich erhöhter Insolvenzgefahr, 84 Prozent weisen demnach einen positiven oder ausgeglichenen Jahresabschluss aus. Im Jahr zuvor lagen noch 9 Prozent im „roten Bereich“ und 79 Prozent im „grünen Bereich“. Trotz der im Allgemeinen guten Ertragslage bleibt die Kapitalausstattung der Krankenhäuser weiterhin unzureichend. Ihr jährlicher Investitionsbedarf (ohne Universitätskliniken) beläuft sich derzeit auf rund 5,8 Milliarden Euro. Dem stehen Fördermittel der Bundesländer in Höhe von 2,8 Milliarden Euro gegenüber, die jährliche Förderlücke beträgt also 3 Milliarden Euro.

Das ist vor allem angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels eine alarmierende Zahl. In den nächsten Jahren wird die Zahl der Patienten und pflegebedürftigen Menschen weiter steigen, sodass bei Fortschreibung des Status quo in Sachen Patientenbetreuung bis 2025 voraussichtlich zusätzlich 80.000 Vollkräfte in den medizinischen Diensten der Krankenhäuser und weitere 80.000 Pflegefachkräfte in der Altenpflege benötigt werden. Gleichzeitig wird aber die Zahl der Personen zwischen 20 und 65 Jahren kontinuierlich sinken, im Zeitraum von 2015 bis 2025 um 4 Prozent. Entsprechend nimmt der Engpass an Fachkräften deutlich zu und es wird äußerst schwierig werden, den Personalbestand weiterhin in ausreichendem Maße mit der Leistungsmenge anheben zu können.

Digitalisierung und smarte Medizinprodukte können helfen

„Arbeitssparende technische Innovationen werden immer wichtiger, um Ärzte und Pflegekräfte zu entlasten“, sagt Professor Boris Augurzky, Leiter des RWI-Kompetenzbereichs „Gesundheit“. „Darunter fallen zum Beispiel Innovationen aus den Bereichen Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Robotikassistenz, Sensorik, Ambient Assisted Living und Telemedizin. Der derzeitige Digitalisierungsgrad deutscher Krankenhäuser ist dabei noch äußerst bescheiden“, so Augurzky. Laut Report ist das Geld für notwendige Investitionen in diesem Bereich nicht vorhanden. Neben mehr öffentlichen Investitionen in die Digitalisierung halten es die Wissenschaftler des RWI für notwendig, das Angebot an Pflegefachkräften zu erhöhen. Dazu müsse mehr Nachwuchs für den Beruf gewonnen, die Anzahl der Berufsrückkehrer erhöht, die Wochenarbeitszeit von Teilzeitkräften ausgeweitet und qualifizierte Zuwanderung forciert werden, fordern die Autoren.

Neben dem RWI sind die beiden Consulting-Firmen Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) und Deloitte an der Studie beteiligt, die große Krankenhauskonzerne in Deutschland beraten. Ihre Hausaufgaben für die Politik bündeln die Verfasser des Krankenhaus-Rating-Reports in einer Gesundheitsagenda 2025. Diese sieht unter anderem vor, dass das Gesundheitswesen in das digitale Zeitalter überführt wird, etwa durch eine standardisierte elektronische Patientenakte, Telemedizin, künstliche Intelligenz und Robotik. Darüber hinaus sollte das Gesundheitswesen durch eine Reform des Gemeinsamen Bundesausschusses offener für Innovationen werden und die Lücke bei den Investitionsfördermitteln im Krankenhausbereich geschlossen werden.

Patientensteuerung effektiver gestalten

Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit empfehlen die Gesundheitsexperten die Notfallversorgung neu auszurichten – dazu gehört auch eine effektive Patientensteuerung. Darüber hinaus sollte, nach Auffassung der Autoren, die Transparenz zu den Qualitätsunterschiede zwischen Kliniken untereinander, aber auch im Vergleich zum ambulanten Sektor konsequent weiter ausgebaut und für die Patienten nutzbar gemacht werden, zum Beispiel über digitale Angebote. Damit einhergehend müsse die sektorenübergreifende Versorgung und die Ambulantisierung der Medizin gefördert werden, auch Adjustierungen am Vergütungssystem seien dafür erforderlich. Empfohlen werden Vergütungsmodelle mit Qualitätszielen, welche die Gesamtverantwortung für die Versorgung einer Region in eine Hand legen.

Mehr im Internet:

Homepage Krankenhaus-Rating-Report

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