Crowdfunding : aescuvest goes Europe

Die Crowdfunding-Plattform aescuvest.de kooperiert jetzt mit dem europäischen Innovationsnetzwerk EIT Health. Wir sprachen mit aescuvest-Gründer und -Geschäftsführer Patrick Pfeffer über „Schwarmfinanzierung“ über deutsche Ländergrenzen hinweg.

Crowdfunding: Die Illustration zeigt zwei Männergruppen auf grünem Hintergrund. Über Ihnen schweben symbolische Geldscheine in der Luft. Zwischen den beiden Gruppen, etwas erhöht, schwebt ein einzelner Mann. Über seinem Kopf ist eine leuchtende Glühbirne gezeichnet.
aescuvest und EIT Health gehen mit einer europäischen Crowdfunding-Plattform, aescuvest.eu, an den Start.

Wie risikofreudig sind deutsche Investoren?

Patrick Pfeffer: Deutschen Anlegern wird häufig eine Aversität gegenüber Risikokapital nachgesagt. Als wir unsere Plattform gegründet haben, standen deshalb einige Fragezeichen im Raum, ob das überhaupt gelingen kann. Jetzt, vier Jahre später, können wir guten Gewissens sagen: Es funktioniert.

Wieviele Start-ups aus dem Gesundheitsbereich konnte auscuvest.de bislang finanzieren?

Von insgesamt 300 eingereichten Projekten aus den Bereichen Medizintechnik, Biotechnologie und Digital Health haben wir 12 auf der Plattform vorgestellt. Davon konnten wir bislang neun Start-ups finanzieren, eine Kampagne läuft aktuell.

Mit welcher Art von Produkten gehen die meisten Gründer an den Start? Mit klassischen oder mit digitalen Medizinprodukten?

Das verschmilzt immer mehr miteinander. Unter den eingereichten Projekten befinden sich zunehmend Produkte, in denen Medizintechnik mit einer digitalen Anwendung verknüpft wird.

aescuvest goes Europe – gemeinsam mit dem europäischen Innovationsnetzwerk EIT Health starten Sie nun eine europäische Crowdfunding-Plattform, aescuvest.eu. Was versprechen Sie sich davon?

Zunächst einmal, dass Crowdfunding nicht an der deutschen Landesgrenze aufhört… Eine europäische Crowdfunding-Plattform mit einem Wertpapier-Angebot hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Im Bereich Crowdfunding ist Deutschland bislang hinteres Mittelfeld. Wir starten zwar mit dem positiven Signal, dass wir in Deutschland bislang erfolgreich waren. Nichtsdestotrotz gehen wir stark davon aus, dass die entscheidenden Kräfte aus dem europäischen Ausland kommen werden und die Investitionsfreude dort größer ist. Im besten Falle lässt Deutschland sich davon anstecken.

Wovon profitieren aescuvest und EIT Health gegenseitig?

EIT Health ist eine der größten Gesundheitsinitiativen der Welt. 150 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Pharma, Diagnostik und Medizintechnik, Kostenträger, Versicherer, Forschungseinrichtungen und Universitäten bringen ihre Expertise und Kontakte mit. Wir bekommen Zugang zu den spannendsten Innovationen aus ganz Europa und können diese Anlegern präsentieren. aescuvest wiederum bietet ein Instrument, das Finanzierungs-, Marketing- und Vertriebsaktivitäten und damit das Anliegen von EIT Health unterstützt, gute Produkte schneller in den Markt zu bringen. Vielversprechende Start-ups können sich auf der Plattform präsentieren und von dort aus ihr Geschäft in ganz Europa ausbauen.

Die Grenzen Deutschlands wollten Sie schon einmal hinter sich lassen, als sie vor etwas mehr als einem Jahr eine Kooperation mit dem chinesischen Shenzhen Touwho Network and Fund vereinbart haben. Wie sieht diese Kooperation aus?

Wir profitieren von einem regen Austausch mit Unternehmen vor Ort. So können wir deutschen Unternehmen dabei helfen, sich dort anzusiedeln. Ein Start-up, das wir über die Plattform finanziert haben, versucht beispielsweise gerade, seine Produktion in China aufzubauen. Wir können die entsprechenden Kontakte vermitteln.

Und in Sachen Crowdfunding? Kooperieren Sie da auch?

Crowdfunding funktioniert in China anders als in Europa – im Grunde genommen nur mit dem Segen der Obrigkeit. Darüber hinaus gibt es Finanzmarkthürden, die es ausgesprochen schwer machen, parallel auf dem chinesischen und dem europäischen Markt eine Crowdfinanzierung zu lancieren. Das bekommen wir im Euroraum wesentlich effizienter hin. Das erste Crowdfunding-Projekt in China wird deshalb noch eine Weile auf sich warten lassen.

Wann und womit startet die europäische aescuvest-Plattform?

In den nächsten Wochen werden wir eine Finanzierungskampagne für Surge-on Medical, ein Start-up aus den Niederlanden, starten. Diese wird dann europaweit beworben.

Danke für das Gespräch!

© Medizintechnologie.de

Das könnte Sie auch interessieren

M2OLIE: Eine menschengroße Puppe liegt auf einer Liege. Rechts und links von ihr stehen zwei kranartige Geräte. Über der Puppe leuchten OP-Lampen.
Forschungscampus

Forschungscluster statt Blockbuster

In Mannheim arbeiten Forscher, Industrievertreter und Kliniker am Interventionsraum der Zukunft. Das Ziel des Forschungscampus M2OLIE: die individuelle Therapie von Krebspatienten. Forschungscluster statt Blockbuster Weiterlesen

Patientenakte: Ein junger Arzt blickt in eine aufgeshclagene Mappe. Schräg hinter ihm steht eine junge Ärztin. Auch sie hält eine aufgeschlagene Mappe in der Hand.

Digitaler Fortschritt kommt beim Patienten kaum an

Rezepte digital übermitteln, Diagnosen per Video stellen, wichtige Daten in elektronische Patientenakten einstellen. Ist das schon Realität? Eine Studie legt den Finger in die Wunde: Das deutsche Gesundheitswesen hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Digitaler Fortschritt kommt beim Patienten kaum an Weiterlesen