MEDICA und Compamed 2018 : „Aus dem Vollen schöpfen“

Heute wird in Düsseldorf die weltgrößte Medizinmesse Medica eröffnet. 120.000 Besucher werden erwartet. Vertreter der Branche nutzen den Messeauftakt, um für eine zentral gesteuerte Patientenakte zu werben.

Medica: Blick auf einen Prospektständer. Auf dem Ständer sind die Logos von Medica und Compamed abgedruckt. Im verschwommenen Bildhintergrund gehenMenschen vorbei.
Es geht wieder los: 120.000 Fachbesucher werden bei der Medica erwartet.

Es ist ein breites Themenspektrum, das den Besucher der Medica in diesem Jahr wieder erwartet – so breit, dass die Messe Düsseldorf gut daran tut, die Schwerpunkte klar am diagnostischen und therapeutischen Workflow der medizinischen Versorgung auszurichten: Allein neun Messehallen widmen sich der Elektromedizin und Medizintechnik, hinzu kommen der Ausstellungsbereich der Zulieferermesse Compamed sowie einzelne Hallen für Labortechnik und Diagnostika, Orthopädietechnik und Physiotherapie, IT und Kommunikationstechnik, Praxis- und Klinikmobiliar für Praxen sowie Bedarfs- und Verbrauchsartikel.

Auf der weltgrößten Medizinmesse präsentieren sich diesjährig 5.273 Aussteller aus 66 Ländern – und damit rund 160 mehr Firmen als 2017. Die Compamed ist mit erneut 783 Ausstellern aus diesmal 40 Ländern (Vorjahr: 35 Länder) internationaler als zuvor. Alle 19 Hallen des Düsseldorfer Messegeländes sind damit – wie schon in den Vorjahren – komplett belegt.

Branche trotzt den Schwierigkeiten

„Trotz aller Schwierigkeiten wie dem anstehenden Brexit oder den Sparzwängen im Gesundheitswesen befindet sich der Medizintechnikmarkt in einer Aufbruchsstimmung – das spiegelt die Medica wider“, kommentiert Horst Giesen, Global Portfolio Director Health & Medical Technologies der Messe Düsseldorf, die Ausstellerzahlen. Die digitale Transformation präge die Branche und verändere derzeit „radikal Prozesse und Geschäftsmodelle“, so Giesen.

Das wird vor allem an zwei Foren in Halle 15 deutlich: Auf dem Medica Health IT Forum sprechen 120 Vertreter aus Forschung und Hightech-Unternehmen über Big Data, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit; auf dem Medica Connected Healthcare Forum stehen zeitgleich Hard- und Software-Lösungen für ein vernetztes und mobiles Gesundheitswesen auf dem Programm. Neu in diesem Jahr sind „Disrupt Start-up-Sessions“, in denen 50 Start-ups ihre Lösungen vorstellen.

Kleiner, feiner, dennoch leistungsstark

Die Zulieferermesse Compamed ist vom Ruf nach Dematerialisierung geprägt, so Giesen: „Die Hersteller benötigen von ihren Zulieferern immer feinere, leichtere und leistungsfähigere Komponenten wie Sensoren, Chips oder auch passende Energie- und Datenspeicher.“ In den zwei Compamed-Hallen 8a und 8b werden die neuesten Produkte vorgestellt. Auch Beschichtungstechnologien und innovative Materialien, zum Beispiel für die Fertigung aktiver Implantate, werden hier gezeigt. Zum Dauerbrenner hat sich der Bereich des 3D-Drucks entwickelt: Auf der ganztägigen Konferenz „Additive Manufacturing für medizinische Anwendungen“ stellen heute Vertreter aus Industrie und Wissenschaft ihre Entwicklungen und Anwendungen vor.

Dialog in Zeiten von Euphorie und Unsicherheiten

Horst Giesen betonte vorab das wertvolle Zusammenspiel aus Medica und Compamed: Es ermögliche einen Dialog, aus dem „kreative Ideen für die gesamte Wertschöpfungskette der Medizintechnik“ hervorgingen. „Das ist weltweit einzigartig“, so der Messedirektor. Besucher könnten hier „aus dem Vollen schöpfen“.

Doch bei aller Innovationsfreude wurden im Vorfeld der Messe auch kritische Töne laut: Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des Fachverbandes Elektromedizinische Technik im Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) wies auf Unsicherheiten durch den drohenden Brexit hin. Der Branche gehe es derzeit zwar vergleichsweise gut: Für 2018 rechnet der Verband mit einem Jahresumsatz von 30 Milliarden Euro, was einem Wachstum von drei bis fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspreche. Doch sei unklar, was mit dem britischen Markt passiert. „Heute haben die nach Großbritannien ausgeführten Medizintechnik CE-Kennzeichen, die Produkte können dort verkauft werden.“ Nach dem Brexit müsse voraussichtlich ein eigenes Zulassungssystem etabliert werden. „Darauf kann sich heute noch keiner vorbereiten.“ Nötige Zollformalitäten könnten außerdem zu Verzögerungen bei der Ausfuhr führen.

Strategie für elektronische Patientenakte vonnöten

Bursig forderte zudem eine zentral gesteuerte Strategie für eine elektronische Patientenakte. Die einzelnen App-Lösungen der Krankenkassen sammelten lediglich Informationen. „Digitalisierung bedeutet aber Import und Export sowie die interaktive Verknüpfung und Weiterverarbeitbarkeit von Daten – das liefert bislang keines der Systeme.“ Alle Länder, die Gesundheit erfolgreich digitalisiert hätten, verfügten über eine zentrale Stelle, die für Planungsfragen und Schnittstellen zuständig sei. „Das muss auch in Deutschland her.“

Josef Düllings, Kongresspräsident des 41. Deutschen Krankenhaustages, der im Rahmen der Medica stattfindet, pflichtete Bursig bei: Medizinische Innovationen seien wie neue Autos, über die man sich freue. „Aber man braucht auch ein Straßennetz, auf dem diese Autos fahren können.“ Solange Bundeskanzleramt und Bundesgesundheitsministerium dies nicht als ihre öffentliche Aufgabe sähen, „passiert da nichts“. An diesem Montag wird er Gelegenheit haben, in die Diskussion zu gehen: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird heute zur Medica-Eröffnung erwartet.

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