Medica-Rückblick : Grenzenlos einfallsreich

Internationaler als je zuvor präsentierte sich die Medica in Düsseldorf vom 12. bis 15. November 2018 ihren rund 120.000 Besuchern. 5.273 Aussteller aus 66 Nationen präsentierten in 19 Hallen ihren Neuheiten. Auf der zeitgleich stattfindenden Compamed stellten 783 Firmen aus 40 Ländern aus.

Medica: IN der Abenddämmerung flattern einige Fahnen im Wind. Auf ihnen prangt das Medica-Logo. Im Bildhintergrund steht eine Messehalle.
Nach der Medica ist vor der Medica. Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

Laut der aktuellen Studie „Gesundheit 4.0: Warum Deutschland Leitmarkt für die digitale Gesundheitswirtschaft werden muss und was jetzt zu tun ist“, im Vorfeld der Medica vorgestellt vom Industrieverband Spectaris und der Unternehmensberatung Roland Berger, schätzen zwei Drittel der Medizintechnikanbieter und Krankenhäuser den Digitalisierungsgrad der deutschen Gesundheitswirtschaft als eher gering ein. Nahezu alle wünschen sich mehr politisches Engagement in dieser Richtung.

Von dieser Zurückhaltung war auf der Messe nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil: Die Digitalisierungswelle sorgte für eine wahre Neuheitenflut. Der Medica Start-up Park in Halle 15 scheint Jahr für Jahr größer zu werden. Gleiches gilt für den Wearables-Gemeinschaftsstand gleich nebenan. Der Einfallsreichtum der jungen Entwickler und Gründer – grenzenlos.

Viele digitale Helfer und Wearables

Sharkdreams hat beispielsweise Livit entwickelt: Das System besteht aus einer smarten Pillendose, die die Medikamenteneinnahme überwacht, und einem aufgeklebten Patch, das die Vitaldaten des Körpers misst. Eine dazugehörige App visualisiert den Genesungsprozess in Echtzeit. CareWare hat ein Schmerzpflaster entwickelt, das den Wundheilungsprozess fördert, indem es blaues und rotes LED-Licht auf den betroffenen Körperteil lenkt, die Blutzirkulation ankurbelt und die Gewebetemperatur erhöht. Dynostics hat eine tragbare Leistungs- und Stoffwechselanalyse mittels Atemgasanalyse vorgestellt. Auf Basis der Messwerte schlägt das System individuelle Trainings- und Ernährungspläne vor.

Das italienische Start-up D-Eye hat ein neuartiges System für Netzhaut- und Augenuntersuchungen entwickelt. Mit einem speziellen Kameraufsatz sowie einer App wird aus dem Smartphone ein mobiles Ophtalmoskop, das „D-Eye Portable Retinal Imaging System“. Es ermöglicht ein kostengünstiges Augenscreening, das die häufigsten Ursachen von Blindheit und anderer Augenkrankheiten erkennen lässt, etwa eine diabetische Retinopathie, die altersbedingte Makuladegeneration und Glaukom.

Ein kompaktes digitales Stethoskop stellte StethoMe aus dem polnischen Posen vor. Dabei handelt es sich um ein kleines, dosenförmiges Stethoskop, mit dem Eltern die Atemwege ihres Kindes abhören können. Das Stethoskop ist mit einer App verbunden, die den Eltern anzeigt, wo sie das Stethoskop als nächstes auflegen müssen, und übermittelt die Messwerte an einen Arzt. Wenn erforderlich, kann dieser das Kind zu einer Untersuchung einbestellen.

Patienten nach einer Kniegelenkersatzoperation und deren Ärzte will Tracpatch unterstützen. Das Unternehmen aus den USA hat ein gleichnamiges sensorgestütztes System zur postoperativen Kontrolle der Gelenkbeweglichkeit entwickelt. Ober- und unterhalb des Kniegelenks angebrachte Sensoren messen die Spannung der kniegelenkumgreifenden Muskulatur und übermitteln diese Daten an eine Software. Diese wiederum sendet die Messwerte zur Nachkontrolle an den behandelnden Arzt. Auf diese Weise hat der Arzt seinen Patienten kontinuierlich im Blick. Er kann nachvollziehen, ob der Patient seine verordneten Übungen absolviert. Vor allem kann er beobachten, ob der Patient Fortschritte macht oder ob ihm das Kunstgelenk Probleme bereitet. So kann zum einen die Physiotherapie individuell an die Bedürfnisse und Möglichkeiten des Patienten angepasst werden. Zum anderen dient das System als Frühwarnsystem für mögliche Infektionen und frühzeitige Lockerungen.

Sensoren erleichtern die Pflege

Bei dem taiwanesischen Hersteller CviCloud geht die Digitalisierung buchstäblich in die Hose – mit dem Opro 9-Sensor für smarte Windeln. Dieser wird mit Klebestreifen an der Windel angebracht, ermittelt Feuchtigkeits- und Temperaturwerte und sendet sie via Bluetooth an eine App. Diese schlägt Alarm, wenn es Zeit für einen Windelwechsel ist. Mütter sollten andere Alarmsignale kennen – doch das Ganze funktioniert nicht nur bei Babywindeln, sondern auch bei Inkontinenzprodukten. Insbesondere in Pflegeheimen kann Opro 9 ein Wundwerden aufgrund eines verspäteten Wechsels verhindern helfen.

Tele-Ultraschall auf Tablet und Smartphone

Eine mobile Point-of-Care-Sonographie hat Philips gemeinsam mit Innovative Imaging Technologies (IIT) entwickelt: „Lumify mit Reacts“, die weltweit erste Tele-Ultraschall-Lösung für Tablet und Smartphone. Das System besteht aus einer USB-Ultraschall-Sonde, die per USB-Kabel ans Smartphone oder Tablet angeschlossen werden kann, und einer im App-Store verfügbaren App. Reacts (Remote Education, Augmented Communication, Training and Supervision) ist eine von IIT entwickelte Kooperationsplattform für Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Während sie einen Patienten mit der Lumify-Sonde beschallen, können sie sich über Reacts in Echtzeit mit anderen über die dabei entstehenden Bilder austauschen.

Virtuelle Spinnen besiegen

Mit virtueller Realität gehen Fraunhofer-Forscher gemeinsam mit der Promotion Software GmbH und der Universität des Saarlandes gegen die Arachnophobie, die Angst gegen Spinnen, vor. Gefördert vom Bundesforschungsministerium, entwickeln sie ein Virtual-Reality-System zur Konfrontations- und Verhaltenstherapie für Spinnenphobiker. Durch eine Datenbrille sehen die Betroffenen eine Spinne und können unter der Anleitung eines virtuellen Therapeuten trainieren, beispielsweise ein Glas über sie zu stülpen und aus dem Zimmer zu bringen. Das System kann auch für andere spezifische Phobien, etwa der vor Hunden, abgewandelt werden.

© Medizintechnologie.de

Das könnte Sie auch interessieren

Insulinpumpe hilft

Am Montag sprach sich die Deutsche Diabetes Gesellschaft erneut für die Insulinpumpentherapie für Patienten mit unregelmäßigen Blutzuckerwerten aus. Insulinpumpe hilft Weiterlesen