Hochrechnung Umsatz 2018 : Über 30 Milliarden Euro

Der Umsatz wächst nach den Erwartungen von Spectaris im Jahr 2018 moderat. Auf jeden Fall wird die Bilanz für das Geschäftsjahr 2018 für die Gesamtbranche besser ausfallen als im Vorjahr. Dabei durchbricht sie eine historische Wachstumsgrenze von sage und schreibe 30 Milliarden Euro. Derweil blickt die Industrie mit Sorgen auf die Weltwirtschaft. Doch die größte Herausforderung wartet zuhause.

Viele Container in unterschiedlichen Farben stehen aufeinander. im Hintergrund sind Hafenbecken, Wasser, und Lastkräne zu sehen
Hafen von Hong-Kong: ein entscheidender Knoten des Welthandels. China ist der wichtigste Handelspartner für die Europäischen Union – noch vor den Vereinigten Staaten von Amerika.

Der Verband Spectaris rechnet für die gesamte Medizintechnikbranche im Jahr 2018 mit einem Umsatzplus von etwa vier bis fünf Prozent, das gab der Verband am Montag in Berlin bekannt. Damit würden die Unternehmen erstmalig die 30-Milliarden-Euro-Umsatzmarke knacken. Zum Vergleich: Noch im Mai legte der Verband sein Jahrbuch 2017 vor und präsentierte darin ein Umsatzvolumen von 29,9 Milliarden Euro. Das entsprach einem Zuwachs von 2,5 Prozent gegenüber 2016.

„Die Geschäftsentwicklung entspricht damit weitgehend unseren Erwartungen, wir rechnen mit einem Gesamtumsatz von rund 31 Milliarden Euro“, sagte Jörg Mayer, Geschäftsführer von Spectaris. Vor allem das Auslandgeschäft bringe positive Impulse. Die Märkte sind unterschiedlich stark gesättigt. Das Wachstumspotenzial sei nach wie vor hoch. Europa und die USA bildeten weiterhin eine gute Basis für Geschäfte. Allerdings würden die Märkte in den Schwellenländern den Ausschlag geben. Im Weltmarkt liege, Spectaris zufolge, ein noch nicht ausgeschöpftes Wachstumspotenzial. Demnach wachse der Weltmarkt in den kommenden Jahren erheblich. Die Marktgröße soll, ausgehend von 405 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017, 2024 einen Wert von etwa 595 Milliarden US-Dollar erreichen. Deshalb hofft Spectaris, dass die deutsche Medizintechnik von dieser Entwicklung profitieren könne.

Allerdings belastet die Weltpolitik das Geschäft. „Die weltweit um sich greifenden protektionistischen Maßnahmen sind Gift für unsere Unternehmen. Die zunehmende Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China betrachten wir daher mit Sorge.“ Aber auch die US-Sanktionen gegen Iran trüben die Umsatzzahlen ein.

US-Sanktionen gegen Teheran torpedieren deutsches Iran-Geschäft

Seit dem vergangenen Sonntag gelten die US-amerikanischen Sanktionen gegen den Iran. Nahezu alle Banken haben den Zahlungsverkehr mit dem Iran eingestellt, um ihren Zugang zum US-amerikanischen Finanzmarkt nicht zu gefährden. „Die Unternehmen stecken in der Sackgasse. Es ist ihnen schlichtweg nicht mehr möglich, Handel mit dem Iran zu betreiben“, sagte Mayer. Besonders bitter ist der Rückzug der Banken aus dem Iran-Geschäft für die deutschen Medizintechnikunternehmen, schließlich könnten sie weiterhin ohne Verstoß gegen die US-Sanktionen in den Iran liefern. Denn: Sowohl US-amerikanischen Unternehmen als auch Nicht-US-Unternehmen ist es auf Grundlage einer Ausnahmeregelung der US-amerikanischen Exportkontrollbehörde (OFAC) noch immer erlaubt, bestimmte Medizinprodukte in den Iran zu liefern.

Immerhin geht es, nach Verbandsangaben, um ein jährliches Handelsvolumen von etwa 143 Millionen Euro (2016) für deutsche Unternehmen. „Es ist bedauerlich, dass deutsche Medizinproduktehersteller aufgrund fehlender Zahlungswege auf dem iranischen Markt das Nachsehen haben. Bereits jetzt ist das Handelsvolumen im Vergleich zum Vorjahresraum um 40 Prozent eingebrochen. Wir begrüßen die Bemühungen der Europäischen Union und der Bundesregierung, eine Clearing-Stelle einzurichten und werten dies als gutes Signal“, so Mayer. „Wenn es der EU gelingt, mit der Clearing-Stelle den Zahlungsverkehr wiederzubeleben, stellt sie Vertrauen her und räumt Bedenken aus.“

Und auch die neue Medizinprodukteverordnung (MDR) gefährde Innovationen, weiteres Wachstum und Produktverfügbarkeit. Viele Fragen zur praktischen Umsetzung der Verordnung seien noch offen, die Probleme der Unternehmen angesichts von MDR-bedingter Zeitnot und Engpässen beim Marktzugang nicht gelöst.

„Der größte Erfolgsfaktor für die Branche ist und bleibt die Digitalisierung. Unsere Unternehmen müssen es schaffen, die Geburtswehen des digitalen Geschäfts zu meistern und als neu positionierte Unternehmen aus der Transformation hervorzugehen.“

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