Herzunterstützungssysteme und Kunstherz : Motor für ein zweites Leben

Für Menschen mit schwerer Herzschwäche sind mechanische Herzunterstützungssysteme oft die einzige Chance, weiter zu leben. Die Geräte sind so zuverlässig, dass sie immer häufiger dauerhaft implantiert werden. Auch an voll implantierbaren Kunstherzen, die das gesamte Organ ersetzen, arbeitet die Medizintechnik bereits.

Herzunterstützungssysteme kommen bei Herzinsuffizienz im Endstadium immer häufiger zum Einsatz, weil passende Spenderorgane fehlen.

294 Herztransplantationen wurden 2014 in Deutschland durchgeführt. Das ist der niedrigste Stand seit 1994. Demgegenüber standen fast 1.000 Patienten, die bei der für die Organvergabe zuständigen Stiftung Eurotransplant für diese Behandlung angemeldet waren. Eigentlich ist der Bedarf an den raren Spenderherzen noch deutlich höher. Denn auf die Warteliste kommen nur Menschen, die – abgesehen von ihrem Herzleiden – so jung und gesund sind, dass die Transplantation maximalen Erfolg verspricht. Wer über 60 und anderweitig schwer krank ist, hat praktisch keine Chance.

Die Patienten, die ein neues Herz bräuchten, leiden unter einer Herzinsuffizienz im Endstadium. Das heißt, der Herzmuskel ist zu schwach, um ausreichend Blut durch den Kreislauf zu befördern. Medikamente können das Organ entlasten und seine Schlagkraft stärken, doch sie verhindern nicht, dass die Erkrankung stetig voranschreitet. Wenn die medikamentöse Behandlung an ihre Grenzen stößt und das Organ zu versagen droht, gibt es eine Alternative zur Transplantation, die sich mehr und mehr etabliert: mechanische Herzunterstützungssysteme.

Deutliche Zunahme von Implantationen

Fast 1.000 dieser so genannten Ventricular Assist Devices oder kurz VADs haben Chirurgen 2014 in Deutschland implantiert. Der Einbau dieser Geräte hat sich damit innerhalb von zehn Jahren verdreifacht. Denn im Jahr 2005 waren es 350 Implantationen von VADs. „Weil es an Spenderorganen fehlt, sind wir dringend auf die Herzunterstützungssysteme angewiesen“, sagt Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. Hinzu kommt, dass die Menschen immer älter werden. Damit wächst auch die Zahl der Patienten mit einer Herzinsuffizienz im Endstadium.

Meist werden die VADs in die Wand der linken Herzkammer eingesetzt.  Dort saugen sie das Blut ab, pumpen es weiter in die Aorta und übernehmen so die Funktion des Ventrikels. Auch an einem vollimplantierbaren Kunstherz, das beide Herzkammern ersetzt, tüfteln Medizintechniker bereits.

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