Erste Zahlen der Gesundheitsstatistik 2017 : Steigende Behandlungszahlen, stagnierende Bettenauslastung

An diesem Montag veröffentlichte das Bundesamt für Statistik in Wiesbaden erste Zahlen der Krankenhausstatistik 2017. Demnach hält ein Trend an: Auch 2016 wurden mehr Menschen stationär behandelt. Dabei sinkt die Zahl der Krankenhausbetten weiter. Trotzdem stagniert die Auslastung der Betten. Die Zahlen deuten an: Die Krankenhausstrukturreform zeigt noch wenig Wirkung.

Im Jahr 2016 dauerte ein Krankenhausaufenthalt durchschnittlich 7,3 Tage.

Die Behandlungszahlen steigen weiter. Am Montag veröffentlichte das Bundesamt für Statistik in Wiesbaden die ersten Daten seiner Gesundheitsstatistik 2017, die es zum Ende dieses Jahres vollständig vorlegen dürfte. Demnach wurden im Jahr 2016 insgesamt 19,5 Millionen Patienten stationär im Krankenhaus behandelt - etwa die Hälfte davon in Kliniken der öffentlichen Hand (Bund, Land, Kommune). Das waren 277.400 Behandlungsfälle oder 1,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre stieg die Zahl der stationären Behandlungen damit um 2,7 Millionen an. Allerdings scheint der kontinuierliche Rückgang der Verweildauer zumindest etwas gebremst zu sein. Ein Krankenhausaufenthalt dauerte wie im Vorjahr 2015 durchschnittlich 7,3 Tage. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lagen Patienten durchschnittlich noch 8,5 Tage in einem Krankenhaus. 

Mehr private Kliniken

2016 gab es 1.948 Kliniken in der Bundesrepublik. Davon waren 568 in der öffentlichen Hand, 674 in freigemeinnütziger Trägerschaft und 706 privat geführt. Im Bundesgebiet sank die Gesamtzahl der Einrichtungen innerhalb eines Jahres damit um acht Einrichtungen. Im Vergleich zum Vorjahr 2015 nahm die Zahl öffentlicher Einrichtungen um neun Kliniken und die Zahl freigemeinnütziger Einrichtungen um fünf Kliniken ab. Im gleichen Zeitraum wurden sechs neue private Kliniken gezählt. 

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre verzeichnet das Bundesamt für Statistik einen Rückgang um 156 Kliniken. Dabei nimmt die Zahl der öffentlichen und der freigemeinnützigen Häuser ab, während immer mehr private Krankenhäuser gelistet sind. So ging die Zahl der öffentlichen Einrichtungen um 149 Kliniken zurück. Die Zahl der Einrichtungen in freigemeinnütziger Trägerschaft reduzierte sich um 129 Kliniken. Gleichzeitig nahm die Zahl der privaten Einrichtungen um 122 Kliniken zu.

Allerdings sagt diese Statistik - über ein Jahr oder über zehn Jahre gerechnet - nichts darüber aus, ob es sich um Standortschließungen, Zusammenschlüsse mehrerer öffentlicher oder freigemeinnütziger Einrichtungen, Privatisierungen, private Neugründungen oder private Übernahmen handelt.

Bettenauslastung stagniert

Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik standen 2016 insgesamt 498.700 Betten für Behandlungen in den Kliniken zur Verfügung. Annähernd jedes zweite Bett (238.595 Betten oder 47,8 Prozent) stand in einem Krankenhaus eines öffentlichen Trägers, jedes dritte Bett (166.946 oder 33,5 Prozent) befand sich in einem freigemeinnützigen Haus. Der Anteil der Krankenhausbetten in Einrichtungen privater Träger betrug 18,7 Prozent (93.125 Betten). 2016 gab es insgesamt 685 Betten weniger als 2015. In öffentlichen Einrichtungen wurden 2.063 Betten und in freigemeinnüzigen Einrichtungen 620 Betten gestrichen. Allerdings stockten die privaten Einrichtungen 1.993 Betten auf.

In den vergangenen zehn Jahren wurden insgesamt 12.067 Krankenhausbetten gestrichen. Während die öffentlichen Einrichtungen insgesamt 20.340 Betten und die freigemeinnützigen Häuser insgesamt 12.634 Betten abbauten, stockten die privaten Kliniken ihre Kapazitäten um 21.558 Betten auf. Dabei ist im gleichen Zeitraum die durchschnittliche Bettenauslastung aller Kliniken annähernd gleich geblieben. Sie lag 2016 bei 77,8 Prozent. Die Betten in öffentlichen Krankenhäusern waren zu 79,9 Prozent ausgelastet, in freigemeinnützigen Häusern zu 76,6 Prozent und in privaten Häusern zu 74,9 Prozent. 

Ein Arzt auf fünf nichtärztliche Fachkräfte

In den Kliniken versorgten 2016 etwa 894.500 voll angestellte Fachkräfte die Patienten. Der ärztliche Anteil lag bei etwa eins zu fünf. Denn rund 157.984 Angestellte gehörten zum ärztlichen Dienst und 736.529 zum nichtärztlichen Dienst, darunter allein 325.200 Angestellte im Pflegedienst. Die Zahl der Ärzte nahm im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent, im nichtärztlichen Dienst um 3,2 Prozent zu. Die Zahl der Pflegevollkräfte stieg um 1,3 Prozent. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl voll angestellter Fachkräfte damit um 102.582 Beschäftigte gestiegen - davon 34.269 Ärzte mehr und 68.329 Fachkräfte im nichtärztlichen Dienst.

Die Finanzierung der Kliniken ist eine Dauerbaustelle im Gesundheitssystem und damit auch in der Gesundheitspolitik. Denn es fehlt an notwendigen Investitionen und die meisten Häuser leben von der Substanz, schreiben rote Zahlen. Nicht zuletzt bekommen das auch die Patienten zu spüren, wenn etwa planbare Operationen aufgrund fehlender Kapazitäten verschoben werden müssen. Die vom Bundesamt für Statistik vorgelegten Zahlen deuten an, dass die Krankenhausstrukturreform zumindest im Jahr 2016 hinter den Erwartungen her hinkt. Denn eigentlich sollten Überkapazitäten deutlich abgebaut und spürbar mehr Pflegepersonal eingestellt werden. Allerdings ist das auch das erste statistisch betrachtete Jahr, in dem das Krankenhausstrukturgesetz gilt. Denn das Gesetz trat zum 1. Januar 2016 in Kraft. Es kann also durchaus sein, dass sich die Wirkung der ausgegebenen Strukturmittel für den Umbau der Krankenhauslandschaft und die Aufstockung des Pflegepersonals erst in den kommenden Jahren vollends zeigen wird.

Deutsche Krankenhausgesellschaft: Finanzierungsbedarf steigt

Die Krankenhäuser kommentierten an diesem Montag die neuen Zahlen und schossen scharf gegen die gesetzlichen Krankenkassen. „Die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesene Zahl von 277.000 zusätzlichen Behandlungsfällen macht deutlich, dass die Krankenhäuser wachsende Morbiditätslasten zu tragen haben“, sagte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft in Berlin. Demnach würde der Mehraufwand schätzungsweise eine Milliarde Euro kosten, so Baum. „Damit ist der Erlöszuwachs, den die Kliniken in Höhe von circa 2,9 Milliarden in 2016 erzielten, schon zu einem Drittel durch die neuen Fälle aufgebraucht.“ Mit Erlöszuwachs meint Baum den zwischen Krankenkassen und Kliniken vereinbarten höheren Geldfluss aufgrund von zusätzlich erbrachten Leistungen.

Aber auch das zusätzliche Personal, das die Kliniken 2016 eingestellt haben, ließ den ausgehandelten Erlöszuwachs schrumpfen. „Durch diese circa 26.000 zusätzlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstehen rund 1,2 Milliarden Euro mehr Personalkosten. Auch dies zeigt, dass der Großteil der Ausgabenzuwächse der Krankenkassen im Krankenhausbereich für das zusätzliche Personal und den zusätzlichen Leistungsbedarf benötigt wird.“ Steigender Leistungsbedarf, steigender Personalbedarf und leistungsgerechte Vergütungszuwächse führten zwangsläufig zu steigenden Finanzierungsbedarfen. Dem müssten die Finanzierungsregelungen Rechnung tragen.

„Der seit Jahren steigende stationäre Behandlungsbedarf macht es erforderlich, die Frage der Standorte und Kapazitäten von Krankenhäusern klug und behutsam zu diskutieren und die scheinbar einfache Krankenkassenlogik des Streichens und Kürzens um jeden Preis als das zu enttarnen, was sie ist: eine wenig verantwortungsvolle Vorgehensweise in einem Kern der sozialen Daseinsvorsorge“, sagte Baum.

Mehr dazu im Internet:

Grunddaten zu Krankenhäusern vom Bundesamt für Statistik (Stand: 2016)

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