World Health Summit : Junger Inder gewinnt beim Start-up-Track

Zehn junge Unternehmen wetteiferten beim Start-up-Track auf dem 10. World Health Summit in Berlin um die Gunst der Jury. Das Rennen machte Eyeluminati aus Indien.

Berlin: Blick auf die Skyline von Berlin. Der Fernsehturm ragt spargelspitz in einen mittelmeerblauen Himmel.
Jedes Jahr im Oktober findet in Berlin die internationale Konferenz zur Weltgesundheit, der World Health Summit, statt.

Der indische Wissenschaftler Roopam Sharma will das Leben von Millionen von Sehbehinderten verbessern: Mit dem von ihm entwickelten Assistenzsystem Manovue können Sehbehinderte jeden gedruckten Text lesen, ohne die Braille-Sprache zu beherrschen. Dafür kombiniert Manovue Vision Intelligence und das Internet der Dinge.

Sharma überzeugte mit seiner Technologie die Jury und kann sich nun über ein Coaching bei Flying Health freuen, einem Berliner Start-up-Inkubator, der als eine von insgesamt fünf Industrie-in-Klinik-Plattformen vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. 60 junge Unternehmen aus 19 Ländern hatten sich darum beworben, 25 wurden zum Weltgesundheitsgipfel eingeladen. Die besten zehn konnten auf der Bühne gegeneinander antreten.

Roopam Sharma startete seinen Vortrag in völliger Dunkelheit. „Als ich vor drei Jahren mit meiner Arbeit begann, fragte ich mich, wie sich ein Leben ohne Licht anfühlen muss“, erinnert er sich. In Interviews mit Blinden und Sehbehinderten fand er heraus, dass die Betroffenen vor allem in ärmeren Ländern eines noch viel mehr vermissen: das Lesen. Und dass weniger als ein Prozent der 15 Millionen Sehbehinderten in Indien in der Lage sind, die Braille-Schrift zu nutzen.

Er beschloss, nach einer Alternative zu suchen, und gründete das Start-up Eyeluminati. Sein Team hat nun den tragbaren Multi-Utility-Handschuh Manovue entwickelt. In den Handschuh ist eine Kamera integriert. Hält der Benutzer den Handschuh über einen Text, wird dieser von der Kamera erfasst und dann in Audiosignale umgewandelt – sprich laut vorgelesen. Er gibt Sehbehinderten außerdem haptisches Feedback in Form von Vibrationen und versetzt sie so die Lage, sich ohne Blindenstock außerhalb ihrer bekannten Umgebung zu orientieren. Langfristig soll die Manovue-Technologie den Smartphone-Markt für Sehbehinderte öffnen.

Vier Finalisten aus Deutschland

Die Finalisten des Start-up-Tracks mussten neben der Originalität und finanziellen Tragfähigkeit ihres Projekts auch belegen, dass in ihrer Innovation das Potenzial steckt, die globale öffentliche Gesundheit zu verbessern. Vor allem letzteres dürfte die Jury bei Eyeluminati überzeugt haben: Weltweit gibt es mehr als 300 Millionen Menschen mit Sehbehinderung. „Manovue ermöglicht den Betroffenen einen barrierefreien Zugang und damit soziale Partizipation“, so das Fazit der Jury. „Es befähigt sie, ein unabhängiges Leben zu führen.“

Auch die anderen neun vorgestellten Projekte stellten potenzielle Lösungen für die Gesundheitsversorgung insbesondere in Entwicklungsländern und strukturschwachen Regionen vor: Die Gründer präsentierten beispielsweise Verfahren zur frühzeitigen Diagnose von Blutvergiftung bei Neugeborenen, von Hautkrebs oder Geschlechtskrankheiten sowie innovative Bezahlmöglichkeiten für Gesundheitsdienstleistungen. Vier der Finalisten stammen aus Deutschland.

Frühe Hautkrebsdiagnose rettet Leben

So zum Beispiel das Start-up Magnosco, das das patentierte Verfahren der Dermatofluoroskopie zur Marktreife gebracht hat. Damit können krankhafte Veränderungen des Hautfarbstoffs Melanin sehr früh diagnostiziert und schwarzer Hautkrebs im Frühstadium entdeckt werden. Allein in Europa sterben daran jährlich 22.000 Menschen. „Wird der Krebs früh entdeckt, lassen sich mehr als 90 Prozent der Betroffenen heilen“, sagt Geschäftsführer Sebastian Ahlberg. Grundlage der Dermatofluoroskopie ist eine weltweit bisher einzigartige Kombination aus Lasertechnologie und künstlicher Intelligenz (KI).

Online-Reha-Plattform für regelmäßiges Training

Das Berliner Start-up Caspar Health digitalisiert gängige Therapien aus der Rehabilitation. Insgesamt bietet die erste Online-Rehabilitationsplattform über 1.000 Übungen, individuell anpassbare Standardtherapiepläne, Vorträge und Seminare für die Indikationen Orthopädie, Neurologie, Psychosomatik, Geriatrie, Onkologie und Kardiologie. „Jeder Dritte weltweit leidet an Beschwerden des Muskelskelettsystems“, sagt Fan Yuan, Leiterin des Business Development. „80 Prozent der Patienten, die weltweit Reha-Unterstützung bräuchten, haben jedoch keinen Zugang dazu.“ Auf der Caspar-Plattform erhalten sie einen individuellen Trainingsplan inklusive Erklärvideos und Ernährungsplänen. „Patienten können über die App auch mit ihrem Therapeuten interagieren, und der Therapeut kann sehen, ob sie die Übungen richtig ausführen.“

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