#Gesundheit : Den Alten auf die Füße treten

#Gesundheit ist eine junge Plattform, die den Dialog rund um Innovation im Gesundheitswesen befeuern möchte. Medizintechnologie.de sprach mit dem Ideengeber und dem Gründungsmitglied Timo Frank.

Das Gründungstreffen von #Gesundheit fand am 21. April 2018 in Frankfurt am Main statt.

Herr Frank, Sie hatten die Idee zu #Gesundheit. Was steckt dahinter, worum geht es Ihnen?

Die Idee für #Gesundheit ist durch meinen Blog über das Gesundheitssystem entstanden. Ich habe mit dem Schreiben versucht, das Gesundheitssystem aus einer jungen und unverbrauchten Sicht zu beleuchten. Bisher habe ich noch nie fest in einem Unternehmen, bei einer Krankenversicherung oder in der Politik gearbeitet. So eröffne ich neue Perspektiven in einem althergebrachten System, das nach Veränderung schreit und hier und da auch gegen die Wand fährt, wie etwa beim Thema Pflege. Damit ich diese Themen nicht nur aus der Brille eines Ökonomen sehe, habe ich nach Gleichgesinnten gesucht, die aus verwandten Bereichen kommen, also beispielsweise Medizin studieren oder in der Pflege arbeiten.

Woran machen Sie fest, dass das Gesundheitssystem veraltet ist und Veränderung braucht?

Das ist mir eigentlich ziemlich schnell aufgefallen, als ich angefangen habe, auf Gesundheitskongresse zu gehen. 2016 war ich zum ersten Mal auf dem Hauptstadtkongress. Die Referenten und die Themen sind eigentlich immer die Gleichen. Mir ist dann auch schnell klar geworden, dass das nicht erst seit ein paar Jahren so ist. Also über die elektronische Gesundheitskarte reden die Experten schon seit mehr als zehn Jahren. Und wenn immer die gleichen Typen mit dem gleichen Publikum über dieselben Themen reden, dann kann es keinen Fortschritt geben. Es muss also junge Leute geben, die den Alten auf die Füße treten.

#Gesundheit hört sich stark nach Digitalisierung der Medizin an?

Ja genau, der # ist ein Symbol für das Digitale, das Innovative. Der # ist jetzt zehn Jahre alt. Er ist damals bei Twitter auch eher zufällig eingeführt worden, weil jemand auf die Idee kam, dass man damit Diskussionen besser filtern kann. Die Idee war, dass sich unsere Generation mit dem # identifizieren kann und ihn ständig benutzt. Auf Twitter, Instagram und Jodel. Und für Personen, die älter sind, sich im Gesundheitssystem etabliert haben, ist der # eben oft kein Begriff. Um diese zwei Pole geht es uns.

Ist die Digitalisierung ein Selbstzweck, macht sie das Gesundheitssystem in jedem Fall besser?

Nicht jede Innovation ist gut. Auch nicht jede digitale Innovation ist sinnvoll. Aber die Innovationen, die sinnvoll sind, sollen es schneller ins System schaffen. Dazu braucht es eine politische Agenda und Politiker, die sich dafür einsetzen, dass der Zugang für sinnvolle digitale Innovationen einfacher wird.

Habt Ihr eine Agenda mit Themen, Ideen oder Vorschlägen?

Nein, wir haben keine Agenda und wollen auch nicht direkt politisch angreifen. #Gesundheit ist kein Start-up, das ein Problem erkannt hat und jetzt mit einem Geschäftsmodell die Lösung dafür anbietet. Wir sind eine innovative Ideenwerkstatt. Es geht darum, neue Impulse für die gesundheitspolitische Diskussion zu liefern. Das Fehlen einer klaren Agenda ist dem anfänglichen Hype geschuldet. Als #Gesundheit im Januar entstand, haben sich relativ schnell Unternehmen, Verlage und junge Menschen gemeldet, die Interesse an uns hatten. Das war so nie geplant. Es sollte eigentlich keine riesige Kampagne werden. Ich bin von den Rückmeldungen überrumpelt worden. Der Name, das Logo und die Idee an sich sind sehr gut angekommen. Damit konnten sich viele identifizieren. Jetzt liegt es an den jungen Menschen hinter #Gesundheit, step-by-step eine Agenda mit Themen, Ideen und Vorschlägen zu entwickeln.

Wer sind denn die Menschen hinter #Gesundheit, was ist die Struktur und wie finanziert Ihr Euch?

Das Ganze ist im Dunstkreis der Universität Bayreuth entstanden. Die Universität selbst hat damit nichts zu tun. Ich habe mir das Konzept für #Gesundheit zunächst alleine, dann mit Ex-Kommilitonen aus Wiesbaden ausgedacht und wir haben einfach losgelegt. Nach und nach sind über Freundeskreise Studierende aus Wiesbaden, Köln, Bielefeld, Nürnberg und vielen anderen Städten dazu gekommen. Erst kürzlich haben wir durch Berichterstattung in Medien wie der kma, dem Bibliomed Verlag und Springer Pflege auch eine breitere Öffentlichkeit erreicht und sind so organisch gewachsen. Es haben sich viele junge Menschen gemeldet, die im Gesundheitssystem arbeiten und etwas verändern wollen. Inzwischen sind wir ein Netzwerk mit über zehn Standorten in Deutschland und finanzieren uns über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wir wollen nicht von einzelnen Unternehmen oder Parteien abhängen, sondern unabhängig bleiben.

Was können wir in Zukunft von #Gesundheit erwarten?

Wir werden zu einzelnen Themen Positionen entwickeln und vertreten. Dazu werden wir überwiegend in den sozialen Medien aktiv sein, Blogbeiträge zu aktuellen Debatten beisteuern und auf Kongressen unsere Standpunkte vertreten. Möglicherweise wird auch YouTube für uns als Plattform für Interviews und Berichte interessant werden. In jedem Fall wollen wir Gedankenanstöße geben. Mein Traum ist, dass junge Leute in Zukunft auch ganz analog eine Stimme erhalten. Ich wünsche mir Raum für unsere Ideen bei Vorträgen oder Podiumsdiskussionen auf Kongressen und später auch im Prozess der politischen Entscheidungsfindung.

Vielen Dank für das Gespräch!

© Medizintechnologie.de

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