Elektronische Gesundheitskarte : Plastikkarte bleibt Zugangsschlüssel

Das Bundesgesundheitsministerium stellte zu Beginn dieser Woche klar: Die elektronische Gesundheitskarte bleibt der Schlüssel zur digitalen Infrastruktur im Gesundheitswesen. Allerdings denkt Jens Spahn wohl über zusätzliche Zugänge nach. Seine Pläne dafür will er noch vor der Sommerpause vorlegen.

Ohne Krankenversicherungskarte wird in den meisten Fällen nicht behandelt. Ein Chip auf dem Ausweis dient dazu, den Versicherten zu erkennen. Zukünftig soll er den Datenaustausch ermöglichen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist Spekulationen entgegengetreten, wonach die Bundesregierung eine Abschaffung der elektronischen Gesundheitskarte erwägt. „Die Milliarde ist nicht umsonst investiert“, sagte er der Süddeutschen Zeitung. In einem Brief an die Spitzenverbände der Krankenkassen und Ärzte habe das Ministerium klargestellt, dass das Projekt wie geplant fortgesetzt werde, schreibt das Blatt in seiner Dienstagsausgabe. Schließlich gehe es um die digitale Infrastruktur, den Datenaustausch und nicht allein um den Zugangsschlüssel – also die Plastikkarte mit Chip.

Nach einer „Vielzahl an öffentlichen Spekulationen“ um die Zukunft der Gesundheitskarte wolle man betonen, dass es sowohl bei der flächendeckenden Installation der Verbindungsgeräte als auch bei der Nutzung der Chipkarte bleibe, zitiert die Süddeutsche Zeitung das Schreiben weiter.

Spahn will bis zur Sommerpause Pläne vorlegen

Seit 14 Jahren wird die elektronische Gesundheitskarte von der Gematik entwickelt – im Auftrag und überwacht von der Selbstverwaltung. Und bereits über eine Milliarde Euro wurden investiert. Die Karte sollte vor Jahren schon viel mehr können als bisher, um etwa Doppeluntersuchungen und Fehlmedikation zu vermeiden. Bis heute ist es aber nicht gelungen, sie als Instrument zum sicheren Austausch von Patientendaten etwa zwischen Ärzten zu etablieren. Zudem gestaltete sich der Aufbau der technischen Infrastruktur schwieriger als erwartet.

Spahn wolle nach Angaben der Süddeutschen Zeitung bis zur parlamentarischen Sommerpause Vorschläge für den weiteren Umgang mit der elektronischen Gesundheitskarte vorlegen. Denkbar wäre ein zusätzlicher Zugang für Patienten über das von der Bundesregierung geplante Bürgerportal. Dieses soll bis 2022 alle Verwaltungsdienstleistungen online anbieten.

Kartenlesegeräte nicht mehr zeitgemäß

Seit geraumer Zeit gibt es Spekulationen über die Zukunft der elektronischen Gesundheitskarte. Das liegt auch an den unterschiedlichen Auffassungen von Apothekern, Ärzten, Kliniken und Krankenkassen. So wetterte beispielsweise der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes Martin Litsch schon mehrmals darüber, das die elektronische Gesundheitskarte nicht mehr zeitgemäß sei.   

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am vergangenen Sonntag befeuerte Jens Spahn jetzt die Debatte. „Die Zeit von Kartenlesegeräten an Desktop-Computern als alleinige vorgeschriebene Login-Variante ist in jedem Fall aus meiner Sicht nicht der Zugang, den sich die Bürger im Jahre 2018 mehrheitlich wünschen – und vor allem auch nicht nutzen werden.“ Zudem berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor gut einer Woche, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Spahn freie Hand gegeben, die Gesundheitskarte abzuschaffen.

© Medizintechnologie.de/dpa

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