Elektronische Patientenakte : Druck auf dem Kessel

Es wird lauter in der Debatte um die elektronische Patientenakte. Das liegt vor allem daran, dass den Deutschen in Sachen Digitalisierung des Gesundheitswesens die Zeit davonläuft. Diese Woche wurde erstmals von offizieller Seite her mitgeteilt, dass das E-Health-Gesetz II nicht mehr in diesem Jahr kommt.

Das Bild zeigt ein Regal voller Akten, hier Patientenakten.
Papierstau: In den Kellern der Kliniken und Praxen liegen die Patientenakten. Künftig sollen diese Daten elektronisch verfügbar sein.

Das für diesen Herbst erwartete E-Health Gesetz II wird nicht vor dem Frühjahr 2019 auf den Weg gebracht. Das wurde auf einer Veranstaltung des AOK-Bundesverbandes am vergangenen Mittwoch deutlich und auch von Thomas Gebhart (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, bestätigt. Knackpunkt sind offenbar Umfang und konkreter Inhalt der gesetzlichen Regelungen, um die Digitalisierung im Gesundheitswesen zu beschleunigen.

Verzögerungen machen Beteiligte nervös

Dreh- und Angelpunkt ist die elektronische Patientenakte. Und da knirscht es momentan gewaltig. Konkret geht es um die  Festlegung der technischen und semantischen Spezifikationen medizinischer Inhalte. „Wenn ich die Daten nicht interoperabel weitergebe, dann sind sie in der Versorgung schlicht weg nicht vorhanden, sagte Sylvia Thun, Professorin für Informations- und Kommunikationstechnologien an der Hochschule Niederrhein und Charité Visiting Professor auf eben dieser Veranstaltung des AOK-Bundesverbandes. Bislang würden internationale Standards aus der Spezifikation herausgehalten.

Die Verzögerung in der anstehenden Gesetzgebung macht die Beteiligten extrem nervös, denn die Zeit drängt. Im digitalen Ausbau des Gesundheitswesens droht Deutschland, international den Anschluss komplett zu verlieren. Zudem sind die Erwartungen an den amtierenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) extrem hoch, die Digitalisierung entscheidend voranzutreiben.

Koordinierung außerhalb der Selbstverwaltung gefordert

Prompt forderten medizinische Fachgesellschaften, industrielle Gesundheitswirtschaft und Forschungseinrichtungen in einer gemeinsamen Erklärung am vergangenen Donnerstag die Selbstverwaltung auf, auch Experten an der Definition medizinischer Inhalte mitwirken zu lassen – und zwar in einem transparenten und von der Politik koordinierten ressortübergreifenden Prozess. Nur so könne gewährleistet werden, dass die elektronische Patientenakte sektor- und länderübergreifend erfolgreich zum Einsatz komme. Zudem müsse die Patientenakte international anschlussfähig sein. Denn weder Versorgung noch Forschung machten an nationalen Grenzen halt „Die alleinige Festlegungshoheit einzelner Akteure ist aus Sicht der Unterzeichner des Aufrufs jedoch nicht zielführend“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der 16 Organisationen.

Der nächste Meilenstein liegt in Sichtweite: Die Gematik muss die technische Spezifikation für die elektronische Patientenakte in knapp einem Monat dem Bundesgesundheitsministerium vorlegen. Zur Erinnerung: Im Jahr 2021 soll die elektronische Patientenakte für die Patienten verfügbar sein.

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