EU-Kommission und OECD : Ressourcen effizienter nutzen

Der Druck auf die Gesundheitssysteme ist extrem groß, denn die Ausgaben steigen. EU-Kommission und OECD mahnen in ihrem aktuellen Report an, die Ressourcen der Gesundheitssysteme effizienter zu nutzen. Und sie fordern die EU-Staaten auf, das Potenzial der Digitalisierung voll auszuschöpfen. Denn die zukünftigen Herausforderungen sind enorm - am Beispiel der Diagnose und Behandlung von psychischen Erkrankungen wird das deutlich.

Eine junge Frau sitzt allein auf dem Boden eines Flurs.
Insgesamt leiden, nach Angaben der EU-Kommission und der OECD, etwa 84 Millionen EU-Bürger an psychischen Erkrankungen.

„Während die Lebenserwartung in der Europäischen Union zu den höchsten der Welt zählt, sollten wir uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen“, sagte Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, am Donnerstag in Brüssel. Gemeinsam mit der OECD veröffentlichte die EU-Kommission den Statusbericht zum Gesundheitszustand der EU-Bevölkerung.

Demnach stieg zwischen 2001 und 2011 die durchschnittliche Lebenserwartung der EU-Bürger rasant an – um zwei bis drei Lebensjahre.  Zu der Verbesserung trugen unter anderem die Fortschritte in der Diagnostik und Behandlung von Krebs bei. Seit 2011 jedoch hat sich der kontinuierliche Anstieg spürbar verlangsamt. Zwischen 2011 und 2016 stieg die durchschnittliche Lebenserwartung nur noch um ein halbes Jahr. Wird ein Kind heute geboren, liegt sie bei bei 81 Jahren.

Die EU-Kommission führt diese Entwicklung maßgeblich auf die Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück, bei denen es keine spürbaren Verbesserungen der Lebenserwartung gebe. Zudem führten schwere Grippe-Epidemien in den vergangenen Jahren zu einer erhöhten Mortalitätsrate unter der älteren Bevölkerung.

Trotz der im internationalen Vergleich hohen Lebenserwartung gebe es weiterhin große Unterschiede hinsichtlich des Geschlechts und des sozioökonomischen Status innerhalb der EU. So lebe ein 30-jähriger männlicher Durchschnittsbürger mit niedrigem Bildungsniveau etwa acht Jahre weniger als vergleichbare Männer mit Universitätsabschluss. 

„Viele Leben könnten gerettet werden, indem wir unsere Anstrengungen zur Förderung einer gesunden Lebensweise und zur Bekämpfung von Risikofaktoren wie Tabak oder Bewegungsmangel verstärken. Es ist nicht hinnehmbar, dass wir in der Europäischen Union jedes Jahr mehr als 1,2 Millionen Menschen vorzeitig verlieren. Dies könnte durch bessere Prävention von Krankheiten und wirksamere Eingriffe im Gesundheitswesen vermieden werden.“

Psychische Erkrankungen belasten die Gemeinschaft

So seien innerhalb der Europäischen Union die psychischen Erkrankungen ein riesiges Problem – für den Einzelnen und für die Gemeinschaft. Insgesamt sei einer von sechs EU-Bürgern betroffen – fast 84 Millionen Menschen. Etwa 18 Prozent der Deutschen litten im Jahr 2016 an einer psychischen Erkrankung. Im Vergleich: EU-weit liegt der betroffene Bevölkerungsanteil bei 17,3 Prozent.

Der größte Anteil an Indikationen sind Angststörungen, dicht gefolgt von Depressionen. Die individuellen Belastungen aufgrund von psychischen Erkrankungen sind enorm und kaum zu beziffern. Sie können auch tödlich enden. EU-weit starben im Jahr 2015 insgesamt 84.000 Menschen.

Die EU-Kommission schätzt die Kosten auf etwa 600 Milliarden Euro pro Jahr – die Hälfte aufgrund von Behandlung und Rehabilitation. Der Rest entstehe durch den Ausfall der Arbeitskraft. In Deutschland lagen diese Kosten, nach Angaben von OECD und EU-Kommission, im Jahr 2015 bei 4,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, das sind mehr als 146 Milliarden Euro.

Lückenhafte Versorgung und wandelnder Bedarf

Die Gesundheitsversorgung sei durchaus lückenhaft. Denn dem Report zufolge entscheide das Einkommen der Haushalte über die Qualität der Gesundheitsversorgung. So sei die Chance für Geringverdiener fünf Mal so hoch, nicht ausreichend versorgt zu sein. Zudem seien in allen EU-Mitgliedstaaten die Gesundheitsversorgung in strukturschwachen Regionen und Wartezeiten für planbare Operationen ein wachsendes Problem.

Die Gesundheitssysteme müssten, dem Report zufolge, effizienter auf den sich wandelnden Versorgungsbedarf antworten. Sprich: Die EU-Bevölkerungen würden älter und die Behandlungszeiträume von chronischen Erkrankungen nähmen kontinuierlich zu. Der Bedarf an Akutbehandlungen in Krankenhäusern sinke. Gleichzeitig steige der Bedarf an Homecare.

Kostendruck auf Gesundheitssysteme steigt

Der Druck auf die Gesundheitssysteme ist extrem groß, denn die Ausgaben steigen. Und dieser Trend wird voraussichtlich anhalten. Im Jahr 2017 lagen sie umgerechnet bei 9,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der EU. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 lagen sie noch bei 8,8 Prozent.

Die EU-Kommission und die OECD gehen davon aus, dass etwa ein Fünftel der gesamten Gesundheitsausgaben nutzbringender angewandt werden könnte. Drei wesentliche Kostentreiber seien maßgeblich: diagnostische Überbehandlungen, stationäre Behandlungen von chronisch Kranken und Ausgaben für Medikamente.

Es bedürfe, so Vytenis Andriukaitis, einer Reihe politischer Hebel, die in Bewegung gesetzt werden könnten, um die Ausgaben zu optimieren, u.a. im Health Technology Assessment. Zudem müssten die EU-Staaten „das Potenzial der neuen digitalen Technologien voll ausnutzen“, um die Prävention und die Gesundheitsversorgung zu verbessern – und damit schließlich die Lebensqualität der Menschen.

Mehr dazu im Internet:

Health at Glance: Europe 2018, The State of Heatlh in the EU Cycle

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