Studien der Europäischen Patentakademie : KMU sollten geistiges Eigentum besser schützen

Das Europäische Patentakademie (EPA) hat eine Reihe von Fallstudien über europäische kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erstellt, die Patente und andere geistige Eigentumsrechte nutzen, um geschäftlichen Erfolg zu erzielen. Das EPA will damit KMU ermuntern ein Management des geistigen Eigentums - auch Intellectual Property Management genannt - zu etablieren. Bislang gibt es hier deutliche Defizite.

Ein Aktenordner mit der Aufschrift Patente liegt auf einem Schreibtisch.
Kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt oft die Zeit oder die Muße sich mit IP-Strategien zu beschäftigen (Intellectual Property) und ihr geistiges Eigentum zu Geld zu machen. Fallstudien der Europäischen Patentakademie zeigen die Lücken im IP-Management auf.

Die europäische Patentakademie hat versucht mit einer Fallstudie die Frage zu beantworten, welche Lücken es beim Schutz des geistigen Eigentums in kleinen und mittleren Unternehmen gibt. Die wissenschaftliche Arbeit war eine Reaktion auf den im Juni 2015 veröffentlichten Bericht Intellectual Property Rights and Firm Performance in Europe (Rechte des geistigen Eigentums und Unternehmensleistung in Europa). Daraus ging hervor, dass der Besitz von Rechten des geistigen Eigentums bei großen Unternehmen viermal häufiger ist als bei kleineren. So haben 40 Prozent der großen Unternehmen Rechte des geistigen Eigentums eingetragen, während dieser Anteil bei den kleinen Unternehmen nur 9 Prozent beträgt. Zudem zeigt der Bericht, dass Unternehmen, die Rechte des geistigen Eigentums besitzen, bessere Leistungen erzielen als Unternehmen ohne derartige Rechte.

IP-Management ist mehr als nur eine Versicherung gegen Nachahmung

In ihrer aktuellen Studie, die schon Ende Mai im Fachmagazin "Les Nouvelles - Die Zeitschrift der Licensing Executives Society International" erschien, haben die Forscher zwölf KMU in Europa und ihre IP-Strategie unter die Lupe genommen. Mit Aerogen aus Irland, Cosmed aus Italien und Micrel Medical Devices aus Griechenland waren gleich drei Unternehmen aus dem Bereich Medizintechnik in die Studie integriert. Das übergeordnete Ergebnis der Wissenschaftler: geistige Eigentumsrechte sind strategische Vermögenswerte, die KMU mehr bringen können als nur eine kostspielige Versicherung gegen Nachahmung. So könnten IP auch helfen, die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen in der Entwicklungs- und Kommerzialisierungsphase zu etablieren und zu erleichtern, Investoren anzuziehen und, wo eine behördliche Genehmigung erforderlich ist, die zusätzlichen Investitionen zu schützen, so die Forscher.

Die Fallstudien zu den einzelnen Unternehmen und die Schlussfolgerungen, die die Forscher aus den zwölf Beispielen ziehen, kann man sich auf der Website des Fachzeitschrift Les Nouvelles ansehen. Die Fallstudien beleuchten die spezifischen Herausforderungen, mit denen KMU im derzeitigen europäischen Patentsystem konfrontiert sind. Die Perspektive geht jedoch darüber hinaus. Unter Berücksichtigung künftiger Entwicklungen heben sie die erwarteten Vorteile des bevorstehenden Einheitspatents für KMU hervor. Dazu gehören Zeit- und Kosteneinsparungen sowie eine größere Rechtssicherheit auf dem EU-Markt.

Mehr im Internet:

Englischsprachige Originalversion der Studie als pdf

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