Wochenrückblick : Siemens warnt vor Cyberattacken

Nachrichtenhunger auch über das Wochenende? Hier gibt es einige Kurzmeldungen, die zum Weglassen viel zu schade wären. So warnt Uwe Bartmann, Siemens' Deutschlandchef, vor digitalen Angriffen auf öffentliche Einrichtungen und Unternehmen.

DAs Bild ist teilweise unscharf in verschiedenen Farbtönen, blau, rot gelb. Es schimmern Textzeilen mit Computercodes hervor, die teilweise scharf sind.
Allein Siemens registriert nach eigenen Angaben etwa 1.000 Unregelmäßigkeiten – pro Tag.

Der Chef von Siemens Deutschland, Uwe Bartmann, warnt vor Cyberangriffen auf Unternehmen und öffentliche Infrastruktur. Bei Attacken von Hackern seien 2017 Schäden von rund 500 Milliarden Dollar weltweit entstanden, sagte er am vergangenen Montag in Frankfurt auf einer Veranstaltung der US-Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany). Dies entspreche der Wirtschaftsleistung Schwedens. Hacker-Angriffe wie mit der Erpresser-Software „Wanna Cry“ im vergangenen Jahr könnten Unternehmen, aber auch Krankenhäuser, Flugsicherung oder die Wasserversorgung treffen. Die Verantwortung für Cybersicherheit müsse bei Firmen und in der Politik an höchster Stelle verankert sein, forderte er. Niemand könne sich dem Thema entziehen: Allein bei Siemens, wo 1.275 Experten für Cybersicherheit arbeiteten, würden täglich rund 1.000 Unregelmäßigkeiten registriert.

Damit Menschen Vertrauen in die Digitalisierung fassten, müssten sie sich auf Datensicherheit verlassen können, sagte Bartmann. Zugleich biete die Nutzung großer Datenmengen riesiges Potenzial: Firmen könnten durch virtuelle Tests Produkte schneller einführen und vernetzte Städte den Energieverbrauch um etwa ein Drittel senken. Auch lasse sich der Nahverkehr flüssiger steuern.

Bartmann warb für gemeinsame Regeln für mehr Cybersicherheit, die Siemens bei der Münchener Sicherheitskonferenz initiiert hatte. Die Charta umfasst zehn Felder, in denen Politik und Wirtschaft aus Sicht des Konzerns aktiv werden müssen. Im Fokus stehen Technologien, bei denen es zu gefährlichen Situationen bei Hacker-Angriffen kommen kann, etwa autonomes Fahren. Neun Partner hatten die Charta unterzeichnet, darunter Daimler, Allianz und die Deutsche Telekom.

Mehr Info:

Bfarm-Cybersicherheitskonferenz: Sicherheitslücken allüberall

WHO: Lebenserwartung in Europa steigt (schnell) an

Die Europäer leben länger und gesünder, aber viele können nicht von ihren Lastern lassen. Rauchen, Alkohol und Übergewicht seien in vielen Staaten ein Problem, geht aus dem neuesten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die europäische Region hervor. Dazu zählen 53 Länder, vor allem in Europa, aber auch einige im Kaukasus und Zentralasien.

„In Deutschland liegt der Alkoholkonsum sehr hoch.“

Claudia Stein, WHO-Abteilungsleiterin für Information, Evidenz, Forschung und Innovation

„In Deutschland liegt der Alkoholkonsum sehr hoch“, sagte die WHO-Expertin Claudia Stein. Wer über 15 Jahre alt sei, trinke in der Europäischen Region durchschnittlich 8,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr. „In Deutschland sind es aber 11 Liter.“ Spitzenreiter Litauen komme sogar auf 15,2 Liter. In Russland habe der Alkoholkonsum dagegen abgenommen (10,1 Liter) – parallel dazu sei die Zahl der Verkehrsunfälle zurückgegangen.

„Die höchste Lebenserwartung in der europäischen Region haben mit 83 Jahren die Schweiz und Luxemburg“, sagte Stein. Mädchen und Jungen, die in Deutschland geboren werden, werden ihr zufolge im Durchschnitt 81 Jahre alt. „Damit liegt Deutschland im obersten Viertel der Statistiken. Das liegt unter anderem am guten Zugang zum Gesundheitssystem.“

Auch die Impfraten hätten sich in Deutschland deutlich verbessert. „Sie liegen bei Masern inzwischen bei 97 Prozent“, sagte die WHO-Abteilungsleiterin für Information, Evidenz, Forschung und Innovation. Schlusslicht sei die vom Krieg gebeutelte Ukraine mit 42 Prozent. „Masern sind eine potenziell tödliche Krankheit“, so Stein.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Europäischen Region bringt zu viele Kilos auf die Waage - Tendenz steigend. „In den meisten Ländern waren mehr Männer als Frauen übergewichtig, doch litten mehr Frauen an Adipositas (extremem Übergewicht) als Männer“, heißt es in der am vergangenen Mittwoch in London veröffentlichten Studie. In Deutschland sorgen sich Experten um die Zunahme der Adipositas bei Kindern.

Kürzlich im Fachjournal „The Lancet“ vorgestellten Daten zufolge trinken Männer in den meisten Ländern deutlich stärker als Frauen. In der Folge ist demnach ein höherer Prozentsatz der Todesfälle bei Männern als bei Frauen auf Alkoholkonsum zurückzuführen.

Insgesamt zieht die WHO ein positives Fazit: In der europäischen Region sei die Lebenswartung demnach binnen fünf Jahren um ein Jahr gestiegen. Vor allem die verfrühten Todesfälle durch die wichtigsten nicht übertragbaren Krankheiten – Krebs, Herzleiden, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen – gingen deutlich zurück; zuletzt um zwei Prozent pro Jahr.

Der Report zur europäischen WHO-Region, zu der auch Länder wie Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan gehören, wird alle drei Jahre veröffentlicht. In dem Gebiet leben fast 900 Millionen Menschen.

Apple goes MedTech

Am Donnerstag wurden die neuen Produkte aus dem Hause Apple von Tim Cook im Sillicon Valley präsentiert. Der Tech-Gigant bemüht sich, die Abhängigkeit von seinem iPhone-Absatz zu vermindern. Im wachsenden Markt der Computeruhren ist dieses Vorhaben gelungen. Konzernchef Cook pries die Apple Watch als „Smartwatch Nummer 1“ und legte mit der vierten Generation der Uhr nach. Sie verfügt über ein etwa 30 Prozent größeres Display – auch weil es den Ingenieuren gelungen ist, den dunklen Rand um den Bildschirm schmaler zu machen. Außerdem wurde die Uhr mit neuen medizinischen Funktionen ausgestattet. So kann die Apple Watch künftig erkennen, ob der Besitzer gestürzt ist und bei Bedarf einen Notfall-Anruf auslösen. Außerdem verfügt sie über einen Sensor, der Elektrokardiogramme (EKG) aufzeichnen kann – indem der Nutzer den Finger für eine halbe Minute an die Krone an der Gehäuse-Seite hält. Gerade in den USA ist das ein wichtiges Feature, weil viele Menschen nicht umfassend krankenversichert sind und sich Routine-Besuche beim Arzt sparen. Apple ist damit der erste Anbieter, der einen EKG-Sensor in einer Computer-Uhr unterbringen konnte. Die US-Aufsichtsbehörde FDA hat das Messverfahren bereits zugelassen. In Europa stehen solche Zertifikate aber noch aus, sodass Kunden sich noch gedulden müssen, bis die Funktion hier aktiviert wird.

Mehr Info:

E-Health-Markt in den USA: Keine dünnen Bretter bohren

Josef May erneut zum Vorstandsvorsitzenden von SPECTARIS gewählt

Josef May, Geschäftsführer der Silhouette Deutschland GmbH, wurde am vergangenen Donnerstag auf der SPECTARIS-Mitgliederversammlung als Vorsitzender des Industrieverbandes wiedergewählt. Somit bleibt May für weitere zwei Jahre an der Spitze des Verbandes der deutschen Hightech-Industrie. Zugleich wird May auch in Zukunft den SPECTARIS-Fachverband Consumer Optics und die Landesgruppe Baden-Württemberg leiten. „Der neue Vorstand repräsentiert die gesamte Breite der SPECTARIS-Industrien. Mit diesem Gewicht wollen wir uns stärker als bisher in die politische Diskussion um die Zukunft des Standorts Deutschlands und um das Wohl unserer Branchen einmischen“, sagte Josef May.

Spahn verteidigt Pflegekonzept im Bundestag

Union und SPD versprechen eine Trendwende gegen den Pflegenotstand in Deutschland. In den Krankenhäusern werde vom kommenden Jahr an anders als heute jede zusätzliche Pflegestelle vollständig finanziert, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag bei den Haushaltsberatungen im Bundestag. Spahns Gesundheitsetat war der letzte einzelne Bereich, der in der Haushaltswoche im Parlament beraten wurde.

In einem nächsten Schritt werde die Pflege ab 2020 völlig aus dem Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern herausgenommen, so SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach. Pflege soll künftig unabhängig von den Pauschalen für Behandlungsfälle finanziert werden.

Linksfraktionsvize Gesine Lötzsch kritisierte, dass andere Berufe in den Krankenhäusern „außen vor“ blieben. Auch Hebammen, Ärzte und Servicepersonal bräuchten Verbesserungen. Lötzsch und die Grünen-Fraktionsvize Katja Dörner forderten Abhilfe gegen zu geringe Investitionen der Länder in die Infrastruktur der Kliniken, also in Gebäude und Geräte. Dörner warf Spahn „mehr Schein als Sein“ vor.

„Jede Reise beginnt in einem ersten Schritt.“

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit

Spahn wies Kritik zurück, dass ein versprochener Stellenaufbau in der Altenpflege zu kurz springe. Ihm werde entgegengehalten: „Reicht nicht, zu wenig, zu klein“, sagte er. „Jede Reise beginnt in einem ersten Schritt“, betonte Spahn aber. Nun solle es in der Altenpflege regelhaft zu einer Tarifbezahlung kommen. Hintergrund ist das Bemühen um einen neuen Tarifvertrag in der Pflege. Die Gewerkschaft Verdi will dafür einen ersten Tarifvertrag abschließen und erwartet von der Regierung, dass sie diesen für allgemeinverbindlich erklärt.

Die Kliniken kritisierten bereits am Mittwoch das Gesetzesvorhaben von Spahn. „Die zentrale Quelle für die Finanzierungsproblematik ist die Unterfinanzierung im Personalbereich“, sagte Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft. „Uns fehlen allein im Jahr 2017 mehr als eine Milliarde Euro.“ Ziel müsse die Beendigung der Personalkostendeckelung sein. Die Finanzierung der Pflegekräfte werde im Gesetzentwurf auf eine grundsätzlich neue, selbstkostendeckende Basis gestellt und von den Fallpauschalen abgekoppelt. Es müsse allerdings sichergestellt werden, dass das neue Pflegekostenbudget und die Finanzierung der übrigen Leistungen des Krankenhauses über die Fallpauschalen flexibel miteinander verbunden blieben. Ein starres Pflegebudget, das den Personalmix in den Behandlungsteams erschwere oder unmöglich mache, wäre nicht im Interesse einer guten Patientenversorgung, so Gaß.

Mehr Info:

Neue Studie vom Institut der deutschen Wirtschaft: Experten fordern radikales Umdenken

Medizintechnologie.de/dpa

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