Innovationen in der Medizintechnik : Der Strategieprozess

Medizintechnische Forschung muss schneller als Produkt bei den Patienten ankommen und deutsche Medizinproduktehersteller sollen trotz zahlreicher Herausforderungen weiter innovativ und wettbewerbsfähig bleiben. Das waren die Kernziele, als vor rund sieben Jahren drei Bundesministerien den Strategieprozess „Innovationen in der Medizintechnik“ initiierten. Dessen Handlungsempfehlungen zum Erreichen der Ziele sind inzwischen in einem Förderprogramm aufgenommen worden: Mit dem Fachprogramm Medizintechnik fördert das Bundesforschungsministerium die Innovatoren der Medizintechnikbranche mit rund 50 Millionen Euro im Jahr.

Vier Männer sitzen an einem Tisch mit Mikrofonen. Im Hintergrund ist eine Leinwand mit der Aufschrift Nationaler Strategieprozess "Innovationen in der Medizintechnik" zu sehen.
Die Staatssekretäre des Bundes­ge­sund­heits­ministeriums, des Bundes­for­schungs­ministeriums und des Bundes­wirt­schafts­mi­nis­teriums, Thomas Ilka, Dr. Georg Schütte und Ernst Burgbacher bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Schlussberichts des Nationalen Strategieprozesses „Innovationen in der Medizintechnik“.

Im November 2012 hielten die Staatssekretäre des Bundes­for­schungs­ministeriums, des Bundes­ge­sund­heits­ministeriums und des Bundes­wirt­schafts­mi­nis­teriums, Dr. Georg Schütte, Thomas Ilka und Ernst Burgbacher, den Schluss­bericht zum Nationalen Strategieprozess „Innovationen in der Medizintechnik“ in ihren Händen. In dem rund 80-seitigen Papier wurden die Er­geb­nisse zusammengefasst, die Experten in den Monaten zuvor in zahlreichen Workshops erarbeitet hatten. Mehr als 150 Banchenkenner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Ge­sund­heits­wesen diskutierten darüber, wie die Pa­ti­enten­versorgung ver­bessert, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche ge­stei­gert und die Innovationskraft der medizintechnischen Forschung gestärkt werden könne. In dem Bericht sind die wichtigsten Herausforderungen für Innovatoren benannt und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet worden.

Neue Herausforderungen für die Gesundheitssysteme weltweit

Für alle Beteiligten war selbstverständlich, dass auch in Zukunft die Vielfalt und die Innovationskraft der Medizintechnik von herausragender Bedeutung für das Gesundheitssystem ist. Gerade in einer Zeit, in der die Gesundheitssysteme weltweit vor enormen Herausforderungen stehen. In den Industrieländern führt der demographische Wandel zu steigenden finanziellen Lasten in der Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an eine möglichst moderne und individuelle Medizin. In den Entwicklungsländern wiederum braucht man Lösungen, die die eklatanten Unterschiede zwischen der Gesundheitsversorgung in Ballungsgebieten und der in dünn besiedelten Gebieten beseitigen. Die Medizintechnik hat das Potenzial, intelligente Lösungen dafür zu liefern.

Allerdings wachsen mit steigendem Anspruch an Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Effektivität von Medizinprodukten auch die Anforderungen an ihre Bewertung. Die zunehmende Regulierung erhöht die Kosten und das Risiko für Forschung und Entwicklung erheblich. Vor diesem Hintergrund rieten die Experten der Bundesregierung zu einem Paradigmenwechsel in der Forschungsförderung.

Empfehlungen aus dem Nationalen Strategieprozess

Der Schlussbericht aus dem Jahre 2012 empfiehlt, die Forschungsförderung des Bundes:

  • stärker bedarfsgetrieben auszurichten, um eine hochwertige Patientenversorgung mit passgenauen innovativen Produkten zu gewährleisten,
  • auf eine integrierte Forschung von Innovatoren und Medizinern umzustellen, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands gezielt zu stärken und
  • in Richtung Entwicklung zu verschieben, um die Innovatoren mit Blick auf die zunehmenden Anforderungen in der Regulation nachhaltig zu unterstützen.

Um den Dialog zu verstetigen und über die weiteren Entwicklungen im Gepräch zu bleiben, veranstaltete das Bundesforschungsministerium 2014 und 2016 jeweils eine Strategiekonferenz. Die Experten sollten Erreichtes reflektieren und über neue Herausforderungen diskutieren. Auf der zweiten Strategiekonferenz im Mai 2016 stellte das Bundesforschungsministerium das neue „Fachprogramm Medizintechnik“ vor. Dieses neue Förderprogramm des BMBF ist das Ergebnis des nationalen Strategieprozesses und greift dessen zentralen Botschaften an die Forschungspolitik auf. Mit diesem Programm soll den Herausforderungen einer älterwerdenden Gesellschaft begegnet werden, in der die Erwartungen an eine moderne und möglichst individuelle Medizin steigen. Gefragt sind innovative Produkte, die diesen Ansprüchen genügen und gleichzeitig das Gesundheitssystem entlasten.

Das Fachprogramm: Ein Paradigmenwechsel in der Forschungsförderung

Das „Fachprogramm Medizintechnik“ ist ein wichtiger Meilenstein, der den Paradigmenwechsel in der BMBF-Förderung im Bereich Medizintechnik untermauert. Bereits im Entwicklungsprozess von Medizinprodukten muss künftig erkennbar sein, dass sie die Hürden zur Integration in die Versorgung überspringen können. Zudem unterstützt das BMBF, dass Versorgungswissen bereit gestellt und der Zugang zu Versorgungswissen ermöglicht wird, damit sich die Unternehmen in ihrer Forschung noch stärker am Bedarf von Patientinnen und Patienten ausrichten können. Das BMBF stellt von 2017 bis 2022 für das „Fachprogramm Medizintechnik“ rund 240 Millionen Euro bereit.

Medizintechnologie.de: Branche braucht Informationen und Vernetzung

Neben dem  „Fachprogramm Medizintechnik“ fußt auch diese Plattform Medizintechnologie.de auf dem Nationalen Strategieprozess „Innovationen in der Medizintechnik“. Medizintechnologie.de ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und unterstützt insbesondere klein- und mittelständische Unternehmen der Medizintechnikbranche im Innovationsprozess. Mit Medizintechnologie.de setzen wir eine der zentralen Handlungsempfehlung des Strategieprozesses um: Wir vermitteln Ihnen Informationen rund um das Thema Innovation und möchten Ihnen dabei behilflich sein, sich mit anderen Akteuren zu vernetzen.

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